Patrick Rohr, nach 14 Jahren beim Schweizer Fernsehen nehmen Sie vorläufig Abschied. Sind bei Ihnen Ermüdungserscheinungen aufgetaucht?
Nein, überhaupt nicht. Mein Entscheid ist keine Abkehr vom Fernsehen, sondern eine Hinwendung zu anderen Projekten. Ich habe neben der Arbeit für SF auch Ausbildungs-, Coaching- und freie Moderationstätigkeiten angenommen. Dazu führe ich für den Blick Interviews unter einer eigenen Rubrik. In den letzten Jahren sind immer mehr dieser spannenden Aufgaben an mich herangetragen worden. Nun bin ich an einem Punkt angelangt, an dem mir die Zeit ausgeht, um alles gleichzeitig wahrnehmen zu können. Darum habe ich mich entschieden, bei Quer aufzuhören. Mit der Neukonzeption der Sendung ist der Zeitpunkt auch für meine Nachfolgerin oder meinen Nachfolger ideal für den Einstieg.
Sind Sie an der Neukonzeption der Sendung noch beteiligt?
Ich war nur noch bei den ersten Besprechungen dabei, um zu sehen, in welche Richtung sich die Sendung entwickeln wird.
Und in welche Richtung geht es?
Die Sendung wird verkürzt und soll durch schnellere Themenwechsel mehr Tempo erhalten. Die Neukonzeption ist aber voll im Gange und noch nicht abgeschlossen. Wie "Quer" ab nächstem Frühjahr genau aussehen wird, lässt sich darum noch nicht sagen.
Welche Fähigkeiten muss Ihr Nachfolger oder Ihre Nachfolgerin für dieses Format mitbringen?
Die Person muss sich für Menschen interessieren und sich gerne mit ihnen unterhalten. Sie muss flexibel agieren und reagieren können, da innerhalb einer Sendung verschiedene Themen behandelt werden, die unterschiedliche Stimmungen hervorrufen.
Sie geben Ihren Abschied bereits ein halbes Jahr vor der letzten Sendung bekannt. Warum haben Sie diesen Zeitpunkt gewählt?
Die "Quer"-Redaktion muss zurzeit nicht nur die aktuellen Sendungen gestalten, sondern auch das Konzept für die Neuerungen erstellen. Es war richtig, meinen Entscheid frühzeitig zu kommunizieren, weil die Redaktion so mehr Luft für andere Gedanken bei der Gestaltung der neuen Sendung erhält. Ich wollte mich nicht in die Konzeptarbeiten einbringen und dann Ende Jahr plötzlich meinen Ausstieg bekannt geben. Das hätte alles nochmals über den Haufen geworfen.
Sie wollen sich mehr im Printjournalismus engagieren. Woher kommt dieser Wunsch?
Ich habe bereits als Gymnasiast und als Student geschrieben, später auch Artikel für den Walliser Boten, die SonntagsZeitung oder den Blick verfasst. Durch meine Interviews für den Blick habe ich die Lust am Schreiben wieder entdeckt. Meine Rubrik "Es gilt das gesprochene Wort" möchte ich auf jeden Fall weiterführen.
Werden Sie ausschliesslich für den Blick schreiben?
Ob sich die Kadenz meiner Interviews beim Blick erhöht, muss zuerst mit den Verantwortlichen besprochen werden. Als freier Journalist würde ich auch gerne aus Amsterdam meinem zweiten Wohnsitz Reportagen anbieten. Ich kann mir gut vorstellen, diese Texte auch für andere Zeitungen zu verfassen.
Ihr Abschied ist nicht endgültig, es laufen Gespräche für eine neue Sendung. Wie wird diese aussehen?
Da darf ich noch nichts verraten.
Für wie lange werden Sie am Fernsehen nicht zu sehen sein?
Es wird für mich ein paar bildschirmfreie Monate geben.
(Interview: Stefan Wyss)
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