30.01.2013

"Die Schweiz am Sonntag"

"Es wird im Sonntagsmarkt ein Gerangel geben."

Mit "Die Schweiz am Sonntag" wollen die AZ Medien und die Südostschweiz Medien den Sonntagszeitungsmarkt aufmischen. In ein bis zwei Jahren soll der Titel eine Leserschaft von einer halben Million Menschen aufweisen und den Grossen, Tamedia, Ringier und der NZZ Mediengruppe, die Werbekunden streitig machen. Das Gewicht der neuen Partnerschaft soll aber vor allem auch der Raum Basel zu spüren bekommen. Der Bericht:
"Die Schweiz am Sonntag": "Es wird im Sonntagsmarkt ein Gerangel geben."

Wie die AZ Medien und die Südostschweiz Medien heute Morgen, 30. Januar, in einer Pressemitteilung kommunizierten, werden die beiden Medienhäuser künftig im Sonntagszeitungsmarkt miteinander kooperieren (persoenlich.com berichtete). "Der Sonntag" und "Die Südostschweiz am Sonntag" werden ab dem 24. März 2013 unter dem Titel "Schweiz am Sonntag" erscheinen.

Zum einen wird also das regionale Sonntagszeitungsmodell der AZ Medien mit einem "Mantelteil" des "Sonntags" neben den Regionen Aargau, Solothurn/Oberaargau, Basel/Baselland und Zürcher Limmattal auf die Region Südostschweiz ausgedehnt, zum anderen erscheinen diese nun unter dem neuen Titel "Schweiz am Sonntag". Dieser dokumentiert den Anspruch der Verleger, eine Sonntagszeitung von nationaler Bedeutung und Strahlkraft zu schaffen. Im Zentrum der Bemühungen der beiden Verlagshäuser steht dabei der nationale Durchbruch am Werbemarkt. Mit einer Leserschaft von 441'000 Personen (MACH Basic II-Studie) und einer Auflage von 203'156 Exemplaren wird die neugeschaffene Sonntagszeitung denn auch zu einem nationalen Faktor.

Gleichentags waren Journalisten zu einem "Mediengespräch" ins Zürcher Restaurant "Le Premier“ geladen, wo das Ausmass der Kooperation zwischen den beiden Medienhäusern konkretisiert wurde. Im Austausch mit den anwesenden Journalisten gaben die Verleger Peter Wanner und Hanspeter Lebrument, sowie die Chefredaktoren Patrik Müller ("Der Sonntag") und David Sieber ("Südostschweiz") Auskunft.

Stärkung am Werbemarkt

"Wenn wir zusammenspannen, sind wir stärker", betonte Wanner mehrmals im "Limmatzimmer" des "Au Premier". Während "Der Sonntag" in qualitativer Hinsicht mit den anderen Sonntagszeitungen ebenbürtig sei, schaffe die Zusammenarbeit nun auch eine Perspektive, am Werbemarkt mit den Grossen, Tamedia, Ringier und der NZZ-Mediengruppe zu konkurrieren. Wanner formulierte bereits ein Wachstumsziel: In ein oder zwei Jahren solle "die Schweiz am Sonntag" eine Leserschaft von einer halben Million Menschen aufweisen. Drei Punkte sollen zu diesem Wachstum beitragen: Erstens verspricht sich der Verleger im Basler Markt weiter an Lesern zuzulegen, zweitens möchte er weitere regionale Partner ins Boot holen und drittens sieht er im Bereich "Online" gerade beim jüngeren Publikum weiteres Wachstumspotential. Wanner führte die drei Punkte auch auf Nachhaken der anwesenden Journalisten nicht überzeugend weiter aus. Er verzichtete auch auf die Nennung neuer Werbekunden, die das Zeitungskonglomerat anziehen könnte, und blieb mit "Detailhandel, Autobranche und so weiter" im Ungefähren.

Wanner wie Lebrument wiesen darauf hin, dass es sich bei der Kooperation um eine Zusammenarbeit unter Freunden handle. Mit der Kooperation solle laut Lebrument ein "Gegengewicht zum Zürcher" Markt geschaffen werden. Dabei gehe es auch um die Stärkung der zwei letzten mittelgrossen unabhängigen Medienhäuser in der Deutschschweiz.

Schaffung einer unverwechselbaren Marke

Müller wiederum wies Befürchtungen zurück, dass es in Folge der Kooperation zu einem Stellenabbau kommen könnte. Wanner fühlte sich darauf allerdings bemüssigt, einen Stellenabbau nicht gänzlich auszuschliessen. Es könne durchaus sein, dass eine vakante Stelle "mal" nicht wiederbesetzt werde.

Was den Brand "Schweiz am Sonntag" anbelangt, so habe Wanner diesen vor cirka zwei Jahren schützen lassen. Gemäss Müller ist ein Brand, der die Schweiz nominell beinhalte, mit der neugewonnen Grösse auch gerechtfertigt. Die AZ Medien versprechen sich mit dem neuen Titel "Schweiz am Sonntag" im Gegensatz zu "Der Sonntag" weniger Verwechslungen mit der "Sonntagszeitung" von Tamedia. Mit entsprechenden Werbemassnahmen soll der Brand zusätzlich popularisiert und im Verkauf präsenter werden.

Leser in der Südostschweiz profitieren von mehr Qualität

Sieber wies auf die Veränderung hin, dass der Regionalteil Südostschweiz ab dem 24. März nicht mehr im ersten, sondern im vierten Bund erscheinen werde. Im Gegensatz zum jetzigen "Sonntag", der über sechs Bünde verfügt, werde die Südostschweizer Ausgabe der "Schweiz am Sonntag" weiterhin nur vier Bünde enthalten. Für die jetzigen Leser von "Der Sonntag" wird sich in der Bundabfolge hingegen nichts ändern. Die Leser in der Südostschweiz würden von der künftigen Kooperation nur profitieren, weil der Mantelteil "qualitativ auf höherem Niveau" sei als der bisherig. Gemäss Lebrument werden die Südostschweiz Medien für den Mantelteil den AZ Medien eine Pauschale zahlen. Wie hoch diese ist, wollten die anwesenden Herren nicht sagen. Der Mantelteil könne von Werbekunden künftig nur noch national gebucht werden, während in den regionalen Bünden nach wie vor exklusiv Werbung gebucht werden kann. Den Südostschweiz Medien steht es künftig frei, ob sie den ganzen "Mantel" oder nur Teile davon übernehmen möchten. "Sie müssen den Mantel nicht übernehmen, aber sie dürfen", erklärt Wanner das Privileg der Wahl.

Kampf um den Basler Markt

Auf die Frage, ob der Zusammenschluss eine Reaktion auf die Kooperation von BaZ und Tamedia im Sonntagszeitungsmarkt sei, meinte Wanner: "Basel hätte uns auch interessiert, eine Kooperation wäre aber vergleichsweise komplizierter gewesen." Gespräche zwischen der BaZ und den AZ Medien hätten wohl stattgefunden, wie auch zwischen der BaZ und der NZZ, doch äusserte er Zweifel daran, ob diese denn auch ernsthaft und nicht nur pro forma geführt worden seien – dies im Gegensatz zu den Verhandlungen mit Tamedia, die den Deal letztendlich abgeschlossen hatte (persoenlich.com berichtete).

Wanner verspricht sich viel vom Sonntagszeitungsmarkt: "Der Sonntag hat Zukunft", zumindest eine rosigere als die Wochenzeitungen. Gleichwohl spricht er von einem "Verdrängungsmarkt" und kündigt an: "Es wird im Sonntagsmarkt ein Gerangel geben." Darüber, wo seine sonntägliche Schlacht hauptsächlich ausgefochten wird, kann auch kein Zweifel bestehen: "Wir werden im Basler Markt nicht tatenlos zusehen."

Text: Benedict Neff, Bild: Keystone


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