Den Gewaltausbruch in Mazedonien nutzen die serbischen Medien, um in alte Propagandamuster zu verfallen: Blutvergiessen, totaler Krieg und Höllenplan heissen die zentralen Begriffe der Berichterstattung. Das war schon mal so - in den 90er Jahren vor den Bürgerkriegen.
Seit der tiefen politischen Krise im benachbarten Mazedonien mit zuletzt Dutzenden Toten und Verhafteten überschlagen sich die Medien beim EU-Beitrittskandidaten Serbien mit Horrorszenarien. Die dort gezeichnete Bedrohungslage ohne einen Bezug zur realen Welt ist dazu geeignet, den Bürgern Angst und Schrecken einzujagen.
"Die Medien haben sich mit überzeugender Mehrheit der Täuschung, Hetze, Hassrede und der antialbanischen Propaganda verschrieben", kritisierte der Analyst Nikola Samardzic vor kurzem in der Belgrader Zeitung "Danas".
"Es droht der 3. Balkankrieg" und "Die Albaner bereiten den totalen Krieg vor", prangte in der letzten Woche auf dem Titel der Boulevardzeitung "Informer": "Nach Mazedonien schaffen die Albaner Chaos in Serbien, der Serbenrepublik (in Bosnien) und in Montenegro".
"Der Höllenplan der Terroristen" und "Es wird viel Blut fliessen", weiss das Boulevardblatt "Nase novine". Die Medien zitierten Serbiens Innenminister Nebojsa Stefanovic: "Wir sind für den Krieg bereit".
Albaner werden verteufelt
Dass nach den zweitägigen Kämpfen gegen bewaffnete Albaner in der mazedonischen Stadt Kumanovo noch überhaupt nicht klar ist, ob es sich um Söldner gehandelt hat, die auch Kontakt mit der innenpolitisch bedrängten Regierung in Skopje hatten, wird mit keinem Wort erwähnt. Auch dass Regierungsmitglieder mit den Bewaffneten verhandelten und der Geheimdienst seit Wochen in Kontakt mit ihnen
stand, ist nicht der Rede wert. Mit der angeblich konkreten Gefahr eines "Gross-Albaniens" werden die Albaner einmal mehr verteufelt.
Die Regierungszeitung "Novosti" machte den Lesern sogar weis, sie wisse genau, dass "in den nächsten 20 Tagen" mit Angriffen "albanischer Kriegsveteranen" auf Südserbien zu rechnen sei. Die Zeitung "Kurir" wusste, dass "Einkaufszentren und (das Musikfestival) Egzit im Visier" stehen: "Der Terrorismus droht, die Region in Flammen zu setzen". Und wer steht hinter der Gewalt in Mazedonien? Der Kosovo-Spitzenpolitiker Ramush "Haradinaj hat mit Drogengeld die Terroristen bezahlt".
Im Stil der antisemitischen NS-Wochenzeitschrift "Der Stürmer" veröffentlicht "Novosti" tagelang fragwürdige Karikaturen. Mal werden schwer bewaffneten albanischen Guerilla-Kämpfern von der EU verharmlosende Osterhasen-Masken aufgesetzt, mal spielen Amerikaner und Europäer auf den Landkarten der Balkanregion Billard - mit einer gezündeten Bombe. In einer anderen Zeichnung erhält ein Albaner mit verzerrtem Gesicht vom Ausland eine brennende Fackel, um die Lunte am Fass namens Balkan anzuzünden.
Thomas Brey, dpa