Am Samstag, 13. April wurde Etienne Jornod von der NZZ-Aktionärsversammlung zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt (persoenlich.com berichtete). In einem Gespräch mit den beiden NZZ-Journalisten Beat Gygi und Rainer Stadler vom Dienstag erläutert der 60-Jährige seine Strategie und äussert Befürchtungen zur aktuellen Situation der Verlags- und Medienbranche.
Journalisten müssen kundenorientiert handeln
So bezeichnet Jornod das aktuelle Geschehen in der Medienwelt als "unglaublich". Niemand habe die fundamentalen Veränderungen so vorausgesehen. Er meint sogar: "In der Verlagsbranche ist es nicht fünf vor zwölf, es ist schon später." Der Galenica-Präsident ist der Meinung, dass die Zeitungsverlage bisher zu defensiv gehandelt haben. Auch den Journalisten möchte er nahe legen "sich mit der Frage zu befassen, anders zu arbeiten.“ Diese sollten nicht primär "daran denken, einen guten Artikel zu schreiben. Sie müssen auch dafür sorgen, dass diese Artikel gelesen werden."
Die zukünftige Strategie liege darin, sich dem Marktgeschehen anzupassen, kundenorientiert zu arbeiten, oder kurz: "von oben bis unten unternehmerisch denken". Der neue Verwaltungsratspräsident ist denn auch überzeugt, dass sich Zeitungen heutzutage nur noch durch Qualität differenzieren können, denn es gebe "heute viele Möglichkeiten, sich bequem aktuelle Informationen zu beschaffen" – darin liege das Geheimnis des Journalismus nicht mehr.
NZZ habe an Dynamik verloren
Seine eigene Aufgabe sieht der Neuenburger in der Schaffung eines Umfelds des Vertrauens. Er will "Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen zusammenbringen, damit diese die Probleme als Chance für Lösungen wahrnehmen." Auf die Redaktion möchte er keinen direkten Einfluss nehmen, sondern sieht seine Position im Hintergrund. Zur Situation der NZZ selber meint Jornod, dass die Zeitung "in letzter Zeit an Dynamik verloren“ habe und wieder aufholen müsse. Dass das Traditionsblatt weiterhin als Printausgabe bestehen wird, daran lässt Jornod keinen Zweifel. Es bestehe jedoch die Herausforderung "die Jungen, die Mobilen und die international orientierte Elite für sich zu gewinnen." (lf)
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