Europäische Rückenstärkung für Schweizer Journalisten

Presse-GAV - EFJ spricht von Blockade des sozialen Dialogs.

Im Kampf um einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) erhalten die Schweizer Medienschaffenden Unterstützung aus dem Ausland. Die Europäische Föderation der JournalistInnen (EFJ) wirft den Verlegern vor, den sozialen Dialog zu blockieren. Erstmals in ihrer Geschichte tagte die EFJ am Donnerstag nicht in Brüssel, sondern in der Schweiz, und zwar aus Solidarität mit den Schweizer Journalisten und Journalistinnen, wie an einer Medienkonferenz in Luzern zu vernehmen war. Seit einem halben Jahr haben die Schweizer Medienschaffenden keinen GAV mehr.

Der schwedische EFJ-Präsient Arne König sprach von einem "grossen Skandal". Es sei unverständlich, dass die Verleger den Journalisten ihre Rechte verweigerten und den Dialog unterbrochen hätten. Dies gehe nicht nur die Schweizer, sondern die Journalisten in ganz Europa etwas an. Auch Ann Margrit Austena, Präsidentin der Journalistenunion Norwegen, zeigte sich besorgt. Mit der Streichung von Mindestlöhnen falle ein Eckstein. Austena versicherte die Schweizer Kollegen und Kolleginnen ihrer Solidarität.

'Schleichende Erosion' bei Arbeitsbedingungen

Die Schweizer Journalistenorganisationen comedia und impressum diagnostizierten an der Medienkonferenz eine "schleichende Erosion" bei den Arbeitsbedingungen. Medienhäuser hätten begonnen, Löhne abzubauen, Sozialleistungen bei Krankheit zu kürzen, Kündigungsfristen zu beschneiden und für die Abtretung des Urheberrechtes weniger zu bezahlen. Mit dem Erlass so genannter Musterverträge habe der Verband Schweizer Presse die Tonart nochmals verschärft, halten comedia und impressum fest. Der Verband habe damit seine Bekenntnisse zur Sozialpartnerschaft Lügen gestraft.

Die EFJ fordert die Arbeitgeber zum Dialog auf. comedia und impressum bieten die Wiederaufnahme von GAV-Verhandlungen ohne Vorbedingungen und Ultimaten an. Angestrebt würden faire Basislöhne und der volle GAV-Schutz für freie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie das technische Redaktionspersonal. Für den 14. September 2005 wurde ein nationaler Aktionstag angekündigt. "Dann werden wir auf die Pauke hauen", sagte Klaus Rozsa, Präsident Sektor Presse von comedia.

Verleger bekennen sich zur Sozialpartnerschaft