Ewiger TV-Star

Frank Elstner - Er hat die deutsche Fernsehunterhaltung geprägt wie kaum ein anderer. Im Interview mit "persönlich" spricht Frank Elstner, Erfinder von "Wetten, dass...?" und Moderator der SWR-Talksendung "Menschen der Woche", über die Kritik an Markus Lanz, die Wandelbarkeit des eigenen Interviewstils und "sehr viel Unsinn" auf Twitter.

Herr Elstner, die von Ihnen konzipierte ZDF-Show "Wetten, dass ...?" war 1981 erstmals im Fernsehen zu sehen und gehörte mit Einschaltquoten von rund fünfzig Prozent zu den Dauerbrennern. Heute steht die Sendung im Kreuzfeuer der Kritik. Wo liegen die Gründe?
Ich denke, dass Moderator Markus Lanz nicht objektiv beurteilt wird, was ich sehr bedaure. Er hat bereits zu Beginn viele Steine in den Weg gelegt bekommen. Aber ich glaube trotzdem, dass mein TV-Kollege den Bettel nicht zu früh hinwerfen sollte. Viel- mehr geht es nun darum, Durchhaltevermögen zu beweisen und zusammen mit einer guten Redaktionsleitung dafür zu sorgen, dass die Wetten spannend sind und interessante Gäste eingeladen werden. Den Abgesang von "Wetten, dass ...?" sehe ich trotz negativer Presse noch nicht.

Es ist von lieblosen Wetteinsätzen sowie uninteressanten Gesprächen die Rede. Wie stark sind Sie als einstiger Erfinder mit der Sendung emotional verbunden?
Sie bestimmt nicht mehr täglich meine Gedanken, aber ich hoffe dennoch, dass sie überleben kann. Einige Vorwürfe scheinen mir jedoch gerechtfertigt, und deshalb hoffe ich, dass konkrete Taten folgen werden.

Es existieren kaum noch Samstagabend-Sendungen wie "Einer wird gewinnen". Gehört das Familienfernsehen der Vergangenheit an?
Beim SWR befasst man sich mit dem Gedanken, meine ehemalige Sendung "Die Montagsmaler" aufleben zu lassen. Zudem kann ich mir gut vorstellen, dass man beispielsweise wieder ein "Spiel ohne Grenzen" einführen könnte. Erfolg wird von vielen Faktoren bestimmt, und das Sprichwort "Zur richtigen Zeit am richtigen Ort" trifft in der Unterhaltungsszene eben auch zu. Von meinen fünfhundert Ideen habe ich lediglich zwanzig durchgesetzt. Deswegen darf man aber nicht verzweifeln. Wer an sich und seine Möglichkeiten glaubt, erreicht irgendwann sein Ziel.

Wird man als TV-Produzent und Moderator mit den Jahren gelassener?
Mit Sicherheit. Ansonsten würde ich jetzt nicht mit Ihnen sprechen und mein Mittagessen beiseiteschieben (lacht).

Ändert sich der eigene Interviewstil im Laufe der Zeit?
Eigentlich höre ich mir selbst kaum zu, weil ich mich stark zurücknehme, was meine Aufgabe als Moderator der SWR-Sendung "Menschen der Woche" betrifft. Es handelt sich nicht um ein Gespräch im Sinne eines Dialogs, sondern ich versuche, meine Fragen zaghaft zu stellen. Wenn ich Boris Becker interviewe, wollen die Zuschauer nicht Frank Elstner hören. Ich kann meine Interviews in einem Zeitraum von acht bis fünfzehn Minuten führen. Wenn sich ein Gast zurückhaltend verhält oder klar wird, dass ich nicht an ihn herankomme, ist schon nach sieben Minuten Schluss.

Sie verfügen auch über einen Twitter-Account. Wie erleben Sie diese Form der Kommunikation?
Ich stehe dieser eher kritisch gegenüber, weil doch sehr viel Unsinn verbreitet wird. Der österreichische Journalist Armin Wolf ist diesbezüglich sehr engagiert und äussert sich regelmässig zu seinen Sendungen. Jede seiner Botschaften kann als zusätzliche Information bezeichnet werden. Wenn ich in dem Masse twittern würde, müsste ich pro Tag wahrscheinlich acht Stunden dranbleiben, und das kann ich mir nicht erlauben.

Interview: Nathalie Zeindler, Bilder: SWR, Jacqueline Krause-Burberg

Den vollständigen Text finden Sie in der aktuellen "persönlich"-Printausgabe.