Das Grundrecht auf Information ist in Gefahr, warnt die Unesco in einem aktuellen Bericht. Social Media würden demnach zu einer «existenziellen Bedrohung» für traditionelle, zuverlässige Nachrichtenmedien, deren Geschäftsmodell «kaputt» sei. Dadurch sieht die Organisation auch das Recht auf Information gefährdet. Die Covid-19-Pandemie habe bestehende problematische Trends noch verstärkt.
Länder mit niedrigem Einkommen stark betroffen
In den vergangenen fünf Jahren haben sich laut Unesco sowohl Publikum als auch Werbung massiv Richtung Internet verlagert. Das habe grosse Auswirkungen: Die Werbeeinnahmen von Zeitungen halbierten sich in diesem Zeitraum, wodurch der klassische, kritische Journalismus unter Druck geraten sei. Profiteure waren Google und Meta, die 2021 bereits rund die Hälfte aller weltweiten Werbegelder einnahmen. Gerade auf Metas Plattformen würden Menschen viele Inhalte und Stimmen finden – doch würde es diesen oft an jener kritischen Prüfung von Information mangeln, die Aufgabe klassischer Medien sei.
Die Pandemie verstärkte den Trend sinkender Werbeeinnahmen bei klassischen Medien noch, so der Unesco-Bericht. Also hätten mehr Journalisten den Job verloren, zusätzliche Redaktionen den Betrieb eingestellt. Besonders in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen sei es zu einem Vakuum in der Informationslandschaft gekommen. Dabei habe gerade die Pandemie das Problem der sozialen Medien aufgezeigt: Im September 2020 waren laut dem Covid19 Infodemics Observatory auf Twitter über eine Millionen Posts mit ungenauen, unzuverlässigen oder irreführenden Informationen darüber im Umlauf.
Unsichere Arbeitsplätze
Dabei sei Journalist ein «undankbarer Job», so die Unesco weiter. Denn nicht zuletzt dank vermeintlicher Führungspersönlichkeiten, die mit äusserst schlechtem Beispiel vorangehen würden, sei der Ton gegenüber Medienvertreten in den vergangenen Jahren rauer geworden. Online-Gewalt gegen Journalisten sei mittlerweile fast Alltag, Frauen seien dabei besonders betroffen. Einer Unesco-Analyse von 2021 zufolge waren schon mehr als 70 Prozent der Journalistinnen Online-Gewalt ausgesetzt. Ein Fünftel erlebte Offline-Gewalt in Verbindung mit Online-Drohungen.
Oft sei die Tätigkeit lebensgefährlich. Im Zeitraum 2016 bis 2021 habe die Unesco Tötungen von 455 Medienschafenden in Zusammenhang mit ihrem Job erfasst, tätliche Angriffe gab es weitaus mehr. Eine Gefahr seien dabei nicht nur autoritäre Regime oder Behörden, die gegen Medienvertreter vorgehen, sondern auch vorgeblich um die Gesellschaft Besorgte. «Eine beträchtliche Anzahl von Angriffen auf Journalisten wurde von Bürgern begangen, die an Protesten teilnahmen», so die Unesco weiter. (pte/tim)

