Experimente statt "Benissimo"

SRF - Zahlreiche Innovationen und Highlights geplant.

Langjährige Formate wie "Benissimo" sind beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) Auslaufmodelle. Stattdessen versucht SRF, mit Experimenten und Einzelsendungen neue Zuschauer zu gewinnen - so etwa mit einer Kleinkunst-Show und einer Backsendung. "Wenn die Sendungen gut ankommen, werden sie weitergeführt. Wenn nicht, war es eine gute Erfahrung", fasst SRF-Unterhaltungschef Christoph Gebel das neue Konzept an der Jahresmedienkonferenz zusammen (siehe auch Hauptinterview auf persoenlich.com). Man habe nicht den Auftrag, Sendungen dreissig Jahre lang laufen zu lassen. Intern hat SRF diese neue Haltung bereits umgesetzt: In der Unterhaltungsabteilung gibt es heute keinen Mitarbeiter und keine Mitarbeiterin mehr, die ausschliesslich für eine Sendung tätig ist. Alle arbeiten immer wieder an anderen Produktionen.

Was in den Büros des Leutschenbachs schon Realität ist, soll in diesem Jahr nun auch auf dem Bildschirm sichtbar werden: Das SRF will ausprobieren, was das Publikum wirklich will. Geplant sind Einzelsendungen und Staffeln mit nur wenigen Folgen.

Guetzle in der Weihnachtszeit

Ein Beispiel ist die achtteilige Kleinkunst-Sendung "Comedy aus dem Labor", die vom Magier und Kabarettisten Michel Gammenthaler moderiert wird. Sie versteht sich als Sprungbrett-Format für den Schweizer Humor-Nachwuchs. Auch die Zuschauer können mitmachen, selbst wenn sie sich nicht auf die Bühne trauen. Gemäss Gebel können sie ihre Gags selber mit einer Kamera aufnehmen und auf die "Labor"-Website hochladen. In der Sendung werden die Filmchen dann ausgestrahlt. Ein zweites Experiment ist die geplante Backsendung in der Weihnachtszeit. Während das SRF seit Jahren auf Kochsendungen setzt, künftig mit "Schwiizer Chuchi mit Ivo Adam", ist das "Guetzle" und Kuchenbacken als Hauptsendeinhalt neu.

Fernsehen findet nicht mehr nur am TV statt

Ein Versuchsballon, der bereits ausgestrahlt wird, ist die Sendereihe "wild@7" auf SFzwei, mit der das SRF neue Moderatoren finden und jüngere Zuschauer gewinnen will. Das Problem mit den Jungen: Für sie findet TV längst nicht mehr nur am TV statt. An gewissen Tagen laufe die Sendung im Internet viel besser als am Fernseher, sagte Programmchef Hansruedi Schoch. Am klassischen TV-Gerät würden dann nur noch etwa 20'000 Personen einschalten. Jene, die entweder die zeitverzögerte Nutzung beim Digital-Fernsehen nutzen oder die Sendung im Internet sehen, werden dabei nicht als Zuschauer erfasst - und werden damit auch nicht bei den Marktanteilen abgebildet. (sda)