Experten diskutierten über das Fernsehen von morgen

TV 2.0 Summit - "Der entscheidende Wettbewerb in den digitalen Märkten spielt sich jenseits der Inhalte ab", so Dirk Specht von der FAZ.

Am Donnerstag fand im Zürcher Kaufleuten die dritte Austragung des TV 2.0 Summit statt. Neben TV-Experten aus dem deutschsprachigen Raum wie Volker Herres (Programmdirektor Das Erste, siehe Bld oben), Ingrid Deltenre (General Director EBU) oder Alexander Mazzara (CEO und Gründer joiz), gaben mit Daniel Heaf (Chief Digital Officer BBC Worldwide), einem der führenden Experten im Bereich digitaler Strategien und Innovation, Daniel Panto (Manager Digital von Endemol), Andreas Briese (Strategic Partner Development Manager bei YouTube), Dirk Specht (Leiter Business Development Elektronische Medien der FAZ), Doron Hacmon (Managing Director Products and Online Media Group von Liberty Global) sowie Arndt C. Groth (CEO PubliGroupe) auch internationale TV-Grössen Einblicke in erfolgreiche Geschäftsmodelle, Strategien und Vermarktungskonzepte im künftigen TV-Geschäft.

Fehlende digitale Geschäftsmodelle
Im ausverkauften Kaufleuten Klubsaal kam es vor einem internationalen Teilnehmerfeld zu interessanten und zukunftsweisenden Aussagen. Wie die Veranstalter in einer Mitteilung schreiben, beobachtet z.B. Volker Herres (ARD), dass die Internet-Nutzung zunimmt, während die Fernsehnutzung stabil bleibt. "Das Netz hat dem Fernsehen bisher nichts an Aufmerksamkeit genommen. Dennoch: Das Fernsehen wird sich verändern müssen.“ Der Konsument wolle plötzlich mitmachen und -entscheiden, statt nur zu konsumieren. "Trotzdem wird das Bedürfnis nach Orientierung bestehen bleiben. Und es bleibt eine Aufgabe professioneller Anbieter, bei der Auswahl zu helfen - der Couch-Patato hat also auch Zukunft."

Dirk Specht von der FAZ (Bild unten) sieht etwas weniger optimistisch in die TV-Zukunft. Insbesondere sieht er das Geschäftsmodell der TV-Sender bedroht. Er befürchtet - analog zu Printmedien - den Fehler, in digitalen Märkten keine neuen und rentablen Modelle entwickeln zu können. "Der entscheidende Wettbewerb in den digitalen Märkten spielt sich längst jenseits der Inhalte ab: Es geht um die Digitalisierung von (Geschäfts-) Prozessen. Das ist eine Frage von Technologie und Geschäftsmodellen", so Specht. 

On-Demand-Nutzung als Haupttrend
Der Brite Daniel Heaf (BBC) vertritt hinsichtlich zukünftiger Trends die Ansicht, dass sich über die nächsten fünf bis sechs Jahren das Verhältnis von Live-Fernsehen zu On-Demand-Nutzung zugunsten des Letzteren stark ändern wird. "Heute sehen immer noch die meisten Leute in Echtzeit fern. Aber das wird sich rasant ändern. Live-TV wird zwar weiterhin das Nutzungsverhalten dominieren, aber bereits 25 Prozent On-Demand wären ein spektakulärer Wandel.“ Eine weitere Tendenz ist die Fragmentierung. Für die Veranstalter gelte es deshalb, ihre Sender- und Programmmarken zu pflegen und sich mit attraktiven Formaten zu positionieren. Grosse Live-Events werden dabei von grosser Bedeutung sein. 

EBU-Generaldirektorin Ingrid Deltenre stellt fest: "Wer eine lebendige Medienlandschaft haben will, kommt nicht um das öffentlich-rechtliche Modell herum." Ihrer Meinung nach müssen Medienunternehmen künftig in die redaktionelle Qualität investieren, Akzente setzen sowie vielfältige, personalisierte und kreative Programme anbieten. 

Second-Screen als Chance
Neben renommierten Vertretern der TV-Szene wurden auch junge Stimmen und Fernsehkonzepte präsentiert: zum Beispiel Lukas Hotz, CEO und Mitgründer von layzapp mit dem Beta-Launch seiner Second-Screen-App. Layzapp erkennt via Audiosignal, was der Konsument gerade schaut und beliefert ihn dann auf seinem Tablet mit relevanten - und nach einer gewissen Nutzungsdauer auch mit personalisierten - Zusatzinformationen zur jeweiligen Sendung. 

Am 27. November 2014 wird die vierte Ausgabe des TV 2.0 Summit stattfinden. (pd/set)