Experten plädieren für Medienförderung

Publicom - Wichtige demokratiepolitische Funktionen seien ansonsten gefährdet.

Strukturwandel und schwindende Ressourcen bedrohen den Qualitätsjournalismus in der Schweiz. Ohne staatliche Medienförderung sind deshalb wichtige demokratiepolitische Funktionen gefährdet. Dies sei das Ergebnis einer neuen Expertenbefragung der Publicom, wie das Unternehmen in einer Mitteilung schreibt.

Der "staatstragende" Qualitätsjournalismus ist unter Druck – nicht nur durch abnehmende, redaktionelle Ressourcen, sondern auch durch eine neue Art von Öffentlichkeit, die sich in Kommentarspalten und Social Media ausbreitet. Eine überwiegende Mehrheit des DELPHInarium-Expertenpanels ist der Meinung, dass diese neuen Kommunikationsformen die Demokratiefunktionen des traditionellen Journalismus zumindest teilweise übernehmen.

Um den Qualitätsjournalismus stehe es schlecht: Gegen die Hälfte der Experten nimmt in den letzten Jahren eine abnehmende Qualität der Schweizer Medien hinsichtlich ihrer demokratiepolitischen Funktion wahr, und  zwei Drittel glauben, dass es ein Qualitätsproblem gibt, das sich in Zukunft noch verschärfen werde.

Wichtige Demokratiefunktionen gefährdet
Nur eine kleine Minderheit der Experten glaubt, dass das schweizerische Mediensystem seine demokratiepolitischen Leistungen auch ohne staatliche Medienförderung erbringen kann. Die Mehrheit ist der Ansicht, dass ohne staatliche Medienförderung wichtige demokratiepolitische Funktionen gefährdet würden. Wie diese aussehen könnte, ist aber umstritten. Sowohl die aktuelle Presseförderung als auch die Förderung von Radio- und Fernsehen in der Schweiz werden kontrovers beurteilt.

Grundsätzlich wird die Subventionierung der Presse durch die Verbilligung der Posttarife von den meisten als vernünftig beurteilt. Allerdings müsse das System selektiver gehandhabt werden. Eine Minderheit plädiert jedoch für deren Abschaffung, da mit dem Giesskannenprinzip keine gezielte Förderung möglich sei. Im Bereich von Radio- und Fernsehen stösst das Prinzip, dass Gebührengelder mit einem Leistungsauftrag verknüpft sind, auf regen Zuspruch. Eine klare Mehrheit findet es richtig, dass die Begünstigten bestimmte programmliche Aufgaben erfüllen müssen.

Unter dem Begriff DELPHInarium publiziert die auf Medienforschung und –beratung spezialisierte Publicom zweimal jährlich Ergebnisse einer Expertenbefragung. Am Panel sind vierzig Fachleute der führenden Medienunternehmen sowie Vertreter aus Werbung, Medienjournalismus, Kommunikationswissenschaft und Corporate Communications beteiligt. (pd)