"Facts muss spürbar vorankommen"

Martin Kall - Tamedia-CEO erwägt sechste Ausgabe von 20 Minuten.

Tamedia-CEO Martin Kall glaubt immer noch an Facts. Das Nachrichtenmagazin müsse jedoch "spürbar vorankommen", sagt der 44-Jährige im Interview mit der Handelszeitung. Wie lange er dem Facts-Chefredaktor Andreas Durisch Zeit geben will, den erfolglosen Titel wieder auf Kurs zu bringen, verrät Kall indes nicht. Publizistisch sei sein Ziel, dass Facts eine der führenden Printmedien des Landes werde. Ob dies nach zwei, drei oder vier Jahren gelinge, sei sekundär. Wichtig sei, dass die Richtung stimme, so Kall weiter.

Die Richtung muss auch stimmen beim Angriff auf die Regionalzeitungen. Laut Kall wird es in Zukunft weniger Regionalzeiten geben. Er ist deshalb überzeugt, dass die neuen Regionalausgaben, die der Tages-Anzeiger (TA) im Herbst lanciert, die richtige Strategie sind. Sie werden in erster Linie für den TA produziert. Er habe sich bewusst für einen anderen Weg entschieden als die NZZ, so Kall weiter. Mit Blick auf die fehlenden Inserate sagt Kall, die Tageszeitungen hätten in den letzten Jahren zu sehr an der Preisschraube gedreht. So tun sich diejenigen Medien schwer, die durch überrissene Preise kein attraktives Angebot für ihre Kunden hätten. 20minutes sei gerade deshalb sehr positiv aufgenommen worden, führt Kall weiter aus.

Wachstum, so Kall, gelinge mit Innovation, Akquisition oder dem Verdrängungskampf. Ihm ist klar, dass Ringier nach dem Erfolg von 20 Minuten mit zwei Gratiszeitungen angreife. Furcht vor den neuen Gratistiteln kennt der Tamedia-CEO aber keine: "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und 20 Minuten stark positioniert", so Kall. Er habe neue Wachstumsentwicklungen eingeleitet: Vielleicht etwa eine sechste Ausgabe von 20 Minuten einzuführen. Der dank Ringier entstehende Wettbewerb schätzt Kall positiv ein: "Wir sind uns bewusst, dass es uns gut tut, wenn es Wettbewerb gibt und schauen den Projekten mit dem nötigen Respekt entgegen."