Seit das Friedensnobelpreiskomitee in Oslo am 8. Oktober den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo ausgezeichnet hat, herrscht dicke Luft zwischen China und Norwegen. Deshalb schlachtet China nun den Patzer aus, den sich Norwegen beim Staatsbesuch von Doris Leuthard am 15. Oktober erlaubte: Genüsslich und in aller Ausführlichkeit berichteten chinesische Medien darüber, wie das königliche norwegische Musikkorps zu Ehren der Bundespräsidentin nicht die Schweizer Nationalhymne spielte, den "Schweizerpsalm", sondern die Melodie zu dem von Gottfried Keller verfassten Patriotenlied "O mein Heimatland", das in den 1950er-Jahren zu den Kandidaten für eine mögliche Nationalhymne gehörte.
Das chinesische Staatsfernsehen CCTV widmete in seinen Nachrichten dem norwegischen Malheur ganze anderthalb Minuten seiner kostbaren Sendezeit. Immer wieder zeigte der Sender, wie Doris Leuthard sich auf dem roten Teppich die falsche Nationalhymne anhören musste. Die Meldung verbreitete sich rasant: Nicht weniger als 70 chinesische Internetseiten schalteten die für Norwegen peinliche Geschichte auf. Der "Siegeszug" der Nationalhymnen-Affäre in China machte seinerseits wieder in den norwegischen Medien Schlagzeilen. Norwegen wird Leuthards Staatsbesuch wohl nicht so schnell vergessen. (sda)