Filippo Leutenegger, der von 1999 bis 2002 Chefredaktor des Schweizer Fernsehens war und die Politsendung «Arena» leitete, reicht als Präsident der FDP Kanton Zürich Beschwerde gegen die SRF-Dokumentation «Wo-wo-Wohnungsnot – Das Zürcher Monopoly» ein. Die am 22. Januar ausgestrahlte 50-minütige Reportage sei «politisch extrem unausgewogen» und vermittle ein einseitiges, links gefärbtes Narrativ, wie die NZZ und der Tages-Anzeiger berichten.
Im Zentrum steht ein Bauprojekt in Zürich-Altstetten, wo die Halter-Gruppe eine Siedlung mit knapp 320 Kleinwohnungen durch eine Überbauung mit etwa 380 mehrheitlich Familienwohnungen ersetzen will.
In der Dokumentation kommen laut NZZ mehrere linke Politiker zu Wort, darunter SP-Nationalrätin Jacqueline Badran. Die bürgerliche Seite sei hingegen kaum präsent. Das Timing sei brisant: Am 8. März wählt die Stadt Zürich ein neues Parlament, in wenigen Monaten stimmt der Kanton über zwei rot-grüne Wohninitiativen ab.
«Der Beitrag rollt den linken Aktivisten den Teppich aus, während bürgerliche Vertreter nur Staffage sind», wird Leutenegger in der NZZ zitiert. Besonders störe ihn, dass die am Ende präsentierte Lösung – eine Verstaatlichung des Bodens – nicht von einer Gegenstimme eingeordnet werde. «Eine fünfzigminütige, teure Reportage zu einem dermassen heissen politischen Thema, die wie ein linker Aktivistenbeitrag daherkommt? Das ist skandalös.»
Die FDP fordert eine Rüge durch die Ombudsstelle der SRG und die sofortige Löschung der Reportage. Auch Balz Halter, Verwaltungsratspräsident der Halter-Gruppe, kritisiert laut NZZ, dass wesentliche Teile des einstündigen Interviews nicht gesendet wurden.
SRF weist die Vorwürfe zurück. Die Ausgewogenheit ergebe sich aus der Gesamtschau aller im Film vertretenen Positionen. (cbe)