Herr Britschgi, herzliche Gratulation, die Ringier-Journalistenschule feiert momentan ihr 40-jähriges Jubiläum. Wie geht es dem Jubilaren momentan?
Hannes Britschgi: Der Jouschu geht es prima. Obwohl die Medienbranche in einer Umbruchphase steckt, ist das Interesse an journalistischen Berufen immer noch hoch. Auf unsere letzte Ausschreibung für den aktuellen Lehrgang mit seinen 18 Ausbildungsplätzen hatten sich weit über 200 Leute gemeldet.
Braucht es die Ringier-Journalistenschule angesichts der grossen Konkurrenz im Ausbildungsmarkt überhaupt noch?
Es gibt gleich mehrere Gründe, weshalb es gerade diese Schule weiterhin braucht: Ringier kann seinen eigenen Nachwuchs ausbilden. Die kleine aber feine Jouschu erlaubt ein Maximum an Flexibilität sowohl im Schulalltag als auch während der praktischen Ausbildung auf den Redaktionen. Und Ringier hat dank eigener Schule natürlich maximalen Einfluss auf deren Programm und Auswahl der Studenten und Dozenten. Kommt dazu, dass die eigene Schule Ringiers Engagement für Qualität im Journalismus auf eine ganz besondere Weise in die Gesellschaft trägt.
Was bieten Sie als Schulleiter Ihren Schülern an?
In erster Linie verantworte ich das Schulprogramm inklusive Auswahl der Dozentinnen und Dozenten. Dann nutze ich mein Netzwerk, damit die Klasse raus aus der Schule rein ins konkrete Polit- und Wirtschaftsleben der Schweiz tauchen kann. Damit alle vor Ort konkret erleben, wie unsere Gesellschaft funktioniert. Wer die Macherinnen und Macher sind. Wie sie argumentieren, was sie antreibt, und was sie bremst. Weiter stehe ich allen Volontärinnen und Volontären mit Rat und Tat bei, wenn Probleme in den Redaktionen auftauchen oder wenn sie in irgendeinem Feld Unterstützung brauchen. Und nicht zuletzt lebe ich vor, wie viel Spass, Befriedigung und Sinn dieser Beruf jeden Tag macht.
Wie gestalten sich die Feierlichkeiten?
Wir haben uns etwas Spezielles einfallen lassen. Die Geburtstagsfeier ist gleichzeitig eine Buchvernissage. Die Jungjournalisten des aktuellen Lehrganges haben Porträts von Ehemaligen geschrieben. Dieser Sammelband liegt jetzt druckfrisch auf. Ein Schauspieler-Duo liest der Festgemeinde einige Textproben vor. Die Medienministerin Doris Leuthard beehrt das Verlagshaus mit einer Jubiläumsrede. Und die Spitzen des Hauses formulieren ihre Gedanken zur hauseigenen Ausbildung. Vor allem aber wird das Fest im Pressehaus mit seinen über 300 Gästen ein grosses Klassentreffen werden, kommen doch sehr viele Ehemalige, um einen nostalgischen Abend zu geniessen.
In allen Verlagshäusern herrscht momentan ein grosser Spardruck. Hat dies auch Einfluss auf die Ringier-Journalistenschule?
Selbstverständlich schlagen die ökonomisch harten Zeiten auf die Schule durch. Vor zwei Jahren musste ich den Rotstift ansetzen und die Kosten erheblich reduzieren.
Die digitale Revolution hat den Journalismus in den letzten 15 Jahren grundlegend verändert. Inwiefern spüren Sie dies bei der Ringier-Journalistenschule?
Die Bedürfnisse der Lernenden haben sich verändert. Sie wollen Lektionen in Internet-Recherche, Quellensicherheit, Online- und Video-Journalismus, Big Data, Bewegtbild-Knowhow in Mobil-Technologie. Während des Unterrichts sitzen alle hinter ihren Laptops und überprüfen und ergänzen mit Netzrecherchen die gebotenen Lektionen. Mit Freude sehe ich, wie fix die Klassen mit den digitalen Möglichkeiten selbst umgehen. Beispielsweise stellt heute im VJ-Seminar die Final-Cut-Pro-Software keine Hürde mehr dar.
Gab es auch Bestrebungen von Zofingen nach Zürich zu wechseln oder mit einer andern Schule zu fusionieren?
Nein, eigentlich nicht. Hie und da stellt man sich natürlich solche Fragen. Aber die kleine, feine Jouschu ist und bleibt ein starkes Modell. Und der Schulort in der Villa Römerhalde mit dem riesigen Park bietet alles, was stille Konzentration fördert: Licht, Luft und Lebensraum.
Was wünschen Sie der Ringier-Journalistenschule für die nächsten 40 Jahre?
Ein treues Engagement der Verlegerfamilie; hungrige, engagierte Volontärinnen und Volontäre mit Feuer unter dem Hintern; brillante Journalistinnen und Journalisten als Vorbilder und Dozenten und eine Gesellschaft die weiss, dass sie gut ausgebildete Journalistinnen und Journalisten braucht.
Interview: Matthias Ackeret/Bild: Keystone