Fernsehen läuft Zeitungen in der Schweiz den Rang ab

Univox-Studie - Internet wird immer populärer.

Schweizer schauen lieber fern als dass sie lesen: Das Fernsehen hat die Zeitung als Leitmedium abgelöst. Die Univox-Studie "Kommunikation und Medien" des Forschungsinstituts gfs-zürich förderte weitere Überraschungen zutage: Von über 700 befragten Schweizer Stimmberechtigten muss beinahe die Hälfte als unregelmässige Leser oder gar als Nichtleser eingestuft werden, wie das Forschungsinstitut am Dienstag mitteilte.

Obwohl sich die Medienlandschaft in den letzten Jahren stark verändert habe, blieben die drei klassischen tagesaktuellen Medien im Medienvergleich "auf hohem Niveau" dominant. Zwei Drittel der Befragten schauen jeden Tag fern - in der Romandie länger als in der Deutschschweiz. 60 Prozent greifen täglich zur Tageszeitung. In der Deutschschweiz gibt es noch 64 Prozent, in der Westschweiz nur 50 Prozent tägliche Leser. Die Gratisblätter konnten den absteigenden Trend lediglich etwas abschwächen, nicht aber stoppen.

Das Radio verzeichnet massiv weniger regelmässige Hörerinnen und Hörer. 46 Prozent sind es noch - 11 Prozent weniger als 2006. Grund dafür seien "in erster Linie kontinuierliche, ja fast dramatische Verluste bei den SRG- Programmen", schreiben die Forscher. Beliebt sind in der Deutschschweiz private Lokalradios - vor allem auf dem Land. Die SRG-Programme führen sich vor allem Ältere und politisch Interessierte zu Gemüte.

Internetnutzung steigt rasant

Ausserdem nutzen immer mehr Schweizer jeden Tag das Internet. Im Jahr 2000 waren es noch 16 Prozent, heute sind es 38 Prozent. Gut drei Viertel der Befragten nutzen das World Wide Web zu Hause mindestens einmal pro Woche. Nur noch einer von fünf Befragten gab explizit an, keinen Zugang zur virtuellen Welt es Internets zu haben. Mit anderen Worten: 80 Prozent der befragten Schweizerinnen und Schweizer hatten im November 2009 Zugang zum Internet zu Hause.

Allerdings bestehe auch in der Schweiz nach wie vor ein gewisser digitaler Graben. Zwei Drittel der Pensionierten und mehr als die Hälfte der Befragten mit einzig Volksschulbildung sind auch heute noch vom Internet ausgeschlossen. Der typische Internetnutzer sei "männlich, jung, gebildet" und verdiene überdurchschnittlich viel.

Frauen lesen Bücher, Männer Zeitungen

Zeitungen und Bücher werden deutlich intensiver bei Leuten mit höherer Schulbildung, höherem Lebensstandard und aktiverem politischen Verhalten konsumiert, wobei Frauen häufiger ein Buch zur Hand nehmen. Männer und ältere Leute bevorzugen Zeitungen. Die Zeitungslektüre ist zudem auf dem Land noch stärker verankert als in den Städten und ihren Agglomerationen.

Für die Univox-Studie hat die Mediapulse AG im Auftrag von gfs-zürich im November 2009 insgesamt 718 persönliche Interviews geführt mit stimmberechtigten Personen aus der Deutsch- und Westschweiz. (sda)