Festzeitschrift zum Thema "Legenden"

"ADC Folio" - Interview mit persoenlich.com-Redaktor Adrian Schräder, der für den Inhalt verantwortlich zeichnet.

Adrian, Du warst für den Inhalt der diesjährigen ADC Festzeitschrift verantwortlich. Was war Deine erste Reaktion, als Markus Ruf, Vorstandsmitglied des ADC, Dich für diesen Job angefragt hast?
Ich war freudig überrascht und habe postwendend zugesagt. Ich hatte allerdings  wenig Ahnung davon, was mich erwartet. Mit dem Konzept der Zeitung war ich eher flüchtig vertraut, mit dem knappen Zeithorizont gar nicht...

Es war Dein erster Einsatz als Chefredaktor. Wie bist Du vorgegangen?
Als das "Folio" schliesslich als Partner feststand, war mir klar: Ich will gar nicht gross zurückschielen auf das was in den letzten Jahren passiert ist, sondern einfach etwas Substantielles auf die Beine stellen. Ich wollte ein Heft rund um Kreativität und Kommunikation machen, das dem grossen Paten, dem "Folio", auch gerecht wird.

Wie viel "Folio" ist nun in der ADC-Festschrift enthalten?
Eine ordentliche Portion, glaube ich. Wie das Original, ist sie monothematisch. Ausserdem haben wir viele Rubriken übernommen. Der Beitrag der Rubrik "Wer wohnt da?" soll dieses Jahr in einem echten "Folio" übernommen werden. Und Rätselpapst CUS aus München hat auch für uns getextet. Dass wir nicht ganz die Tiefe und Kohärenz eines echten "Folios" erreichen konnten, versteht sich von selbst. Wir haben drei Wochen vor Weihnachten angefangen Beiträge zu sammeln, Anfang Januar war Redaktionsschluss.

Wie bist du auf das Thema "Legenden" gekommen?
Mir war klar: Das Thema sollte zwar sehr breit, aber trotzdem nicht zu schwammig sein. Da ich keine Redaktion zur Verfügung hatte, habe ich bei verschiedenen Fragen immer wieder mein Netzwerk zu Rate gezogen. Das Konzept habe ich zum Beispiel mit einer guten Freundin bei einem Schluck Bier entwickelt.

Wie stark war das Team des "Folio" involviert?
Stark! Produzent Ernst Jaeger hat das gesamte Heft produziert und gestaltet, Chefredaktor Daniel Weber hat mitredigiert und geschrieben. Beiden gebührt ausserordentlicher Dank. Und auch wenn sie sich niemals so bezeichnen würden: Sie sind Legenden. Beide arbeiten von Anfang an, seit 21 Jahren beim "Folio".

Wer hat die Artikel verfasst? Du?
Ein paar Texte habe ich selber geschrieben. Aber das war eigentlich eher die Notlösung, weil die Festtage immer näher rückten. Übrigens: Einer, von dem ich nicht gedacht hätte, dass er überhaupt antwortet, hat am schnellsten geliefert: Emil. Keine 12 Stunden nach meiner Mailanfrage hatte ich von ihm eine Illustration mit Text.

Emil, chapeau! Was hat er beigesteuert?
Eine Illustration für die Rubrik "Folio Folies". Plus ein paar schöne Sätze, die erklären, was Hühner zu Legenden macht.

Wie bist Du bei der Rekrutierung der Texter, Illustratoren und Fotografen vorgegangen?
Ich habe rumtelefoniert und freundliche Mails mit Vorschlägen und Anregungen verschickt. In erster Linie an ADC Mitglieder, aber auch an renommierte Journalisten und Texter wie Thomas Wyss vom Tagi, Autor Thomas Meyer oder die Slampoetin Lara Stoll.

Hast Du einen Lieblingstext?
Nein, hab ich nicht. Ich bin froh und stolz, dass es gelungen ist in so kurzer Zeit und in gefährlicher Kollision mit dem Rummel der Festtage das Thema breit zu beleuchten: Christian Belz, Ordinarius für Marketing an der HSG, schreibt über Legenden in seinem Fachbereich, Roger Köppel über Rocklegende Angus Young, Roland Thomann und Oliver Vedolin über den kreativen Umgang mit Twitter, Peter Rothenbühler über eine "Urban Legend", die wochenlang durch die Presse geisterte, Matthias Ackeret über sein Leben als Legendenschüffler. Und zum Schluss hat „Folio“-Chefredaktor Daniel Weber dann noch eine Art Epilog geschrieben. Ich glaube wirklich, die Mischung macht’s.

Jetzt hast Du unseren Redaktionskollegen Benedict Neff gar nicht erwähnt.
Stimmt. Schande über mich. Dabei hat er einen wirklich schönen Text über den Schweizer Schriftsteller Hermann Burger geschrieben, der sich selber zur Legende hochstilisiert hat – mit Zigarre, Ferrari und verschrobener Sprache. Da ich dessen Buch «Schilten»  an der mündlichen Matur sezieren musste, habe ich zu ihm ein besonderes Verhältnis.

Wirst Du die Zeitschrift im nächsten Jahr nochmals machen?
Als ob ich das entscheiden könnte... Sicher, wenn ich darf!

Und zuletzt: Wie fühlst Du Dich am Ende dieses Gesprächs?
Ganz okay. Ich hatte mir den Seitenwechsel vom Interviewer zum Interviewten schlimmer vorgestellt. Aber ich glaube das hängt auch damit zusammen, dass es hier um ein Projekt ging, das mir zwar zwei Monate Bauchschmerzen, aber auch unglaublich viel Freude beschert hat.

Interview: Corinne Bauer/Portrait: Lukas Mäder (lukasmaeder.ch)/Das "ADC Folio" erscheint als Beilage der Februar-Ausgabe von "persönlich"