Fokussierung auf bestehende Märkte

Ringier - "Ein Jahr der Konsolidierung".

Am Dienstag lud das Verlagshaus Ringier zum Medienfrühstück -- um im schnelllebigen Geschäft der Medienwelt mit Pressevertretern zu diskutieren und Hintergrundinformationen bekanntzugeben, wie Verleger Michael Ringier erklärte. Der Konzern blickt vor dem Jubiläumsjahr 2008 -- Ringier feiert dann sein 175-jähriges Bestehen -- auf ein "Jahr der Konsolidierung" zurück. In der Schweiz seien mit der Wochenzeitung "Cash" und den Programmzeitschriften wichtige Blätter eingestellt respektive verkauft worden. Zugleich wurden Zukäufe wie das Lokalradio Energy in Zürich und Investitionen ins Internet unternommen.

Michael Ringier ging in seiner Eingangsrede auf die Eckpfeiler der Konzernstrategie ein -- und nahm damit Bezug auf eine Chronik von Karl Lüönd, die im Auftrag des Verlags die Geschichte des grössten Schweizer Medienhauses nachzeichnet. Ringier sei ein Verlag, gewachsen ohne erkennbare Strategie, steht laut Ringier in Lüönds noch unveröffentlichten Werk geschrieben. In der Tat hält der Verleger die Produktion kluger Strategiepapiere nicht alleinentscheidend für den Erfolg eines Unternehmens; schliesslich habe vor allem die Intuition Ringier nach Osteuropa geführt. "Wir sind eingestiegen, weil wir glaubten, da tut sich etwas. Erst danach ist eine Strategie entstanden."

Ringiers Drang, in noch mehr Länder Osteuropas vorzustossen, scheint nun aber gestoppt. Im Zentrum steht nun die Fokussierung auf bestehende Märkte. Der Verlag stösst offenbar auch organisatorisch an seine Grenzen. Oder in den Worten Ringiers: "Weil wir so viele neue Länder bearbeiteten, haben wir unheimlich viel zu tun". Für sein Medienhaus gelte es, sich angesichts der rasanten Konzentration in den einzelnen nationalen Märkten zu behaupten. "Wir möchten der Marktführer der Konsolidierung sein", so Ringier. Dies beinhalte auch, dass man neue Titel kaufen, und Bestehende veräussern müsse.

Genau dies tat das Verlagshaus in den vergangenen Monaten. In der Schweiz stiess der Verlag sämtliche TV-Zeitschriften an Springer ab. Allein diesen Oktober wurden in Serbien, Tschechien und China -- alles nationale Märkte, in denen Ringier bereits präsent ist -- Titel lanciert oder erworben. Zuvor hatte sich Ringier zu 25 Prozent am neuen rumänischen TV-Sender "Kanal D" beteiligt. Die Devise Ringiers: Es werden bloss Titel weitergeführt, welche eine starke Stellung haben -- bzw. das Potenzial, Marktführer zu sein.

Als weiterer Strategieschwerpunkt -- neben einem strikten Kosten- und Renditebewusstsein -- gilt das Ziel des Verlags, für seine Marken ein integriertes Medienangebot zu schaffen. Ringier: "Wir verfügen über sehr starke Marken und versuchen, diese über alle Medien zu verteilen." Stark integrierte Titel in der Schweiz -- "Cash", "Gesundheit Sprechstunde", oder "Betty Bossi" -- dienen dabei auch als Testobjekte für das Ausland. Was funktioniert, soll auch in anderen Ländern zur Anwendung kommen.

In diesem Kontext sieht Ringier Investitionen wie den Kauf von Radio Energy. Dieser sei kein Zufall, vielmehr habe die Übernahme mit der Idee zu tun, alle Medien anzubieten. Nun könne man vor der Haustüre lernen, wie man mit dem Medium Radio umgehe. Und auch der neue "Blick", der in der ersten Märzwoche 2008 als Ein-Bund-Zeitung erscheinen soll, richtet sich nach dieser Maxime. Ringier-CEO Martin Werfeli versprach einen eigentlichen "Blick"-Medienverbund, zu dem auch Radio, Internet und Film gehören.