Fotos von misshandeltem Kind gehen zu weit

"20 Minuten" - Presserat veröffentlicht Stellungnahme.

Mit den Fotos eines Kindes, das von seinen drogensüchtigen Eltern zum Spass an eine Wand geklebt wurde, ist "20 Minuten" zu weit gegangen. Die Gratiszeitung hatte die Geschichte über die Misshandlung in den USA in Print- und Onlineausgabe mit mehreren Bildern illustriert. Diese Fotos hatte die Mutter gemacht und auf Myspace veröffentlicht, wodurch die Tat aufflog und mit einer Verurteilung für die Eltern endete. Dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit wäre aber auch Genüge getan gewesen, wenn "20 Minuten" die Story ohne die Bilder des angeklebten Kindes veröffentlicht hätte.

Nach Ansicht des Presserats wird das Kind nicht zuletzt durch das Fotografieren und das Ausstellen im Internet zum wehrlosen Objekt degradiert. Die unverhältnismässige Reproduktion der Bilder durch "20 Minuten" mache die Blossstellung des Opfers noch zusätzlich dauerhaft. Im konkreten Fall wirke die Veröffentlichung der Bilder zudem unnötig sensationell, weil es kein Foto brauche, um sich die Tat vorzustellen, schreibt der Presserat in seiner am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme. Diese hatte er auf Beschwerde einer Einzelperson hin verfasst. (sda)