Fotos von toten Kindern nicht von öffentlichem Interesse

"Blick" - Kritik vom Presserat und belgischer Medienministerin.

Der Schweizer Presserat wirft Fragen zur Veröffentlichung von Fotos verstorbener Kinder durch den "Blick" auf. Das Fehlen von öffentlichem Informationswert sei unverkennbar, sagte Dominique von Burg, Präsident des Presserates. Der Informationswert dieser Bilder liege "nahe bei null", sagte von Burg auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Der Präsident des Presserats fragt sich zudem, ob die Zeitung das Einverständnis der Eltern für den Abdruck der Bilder hatte.

Die Vorgehensweise schien von Burg "mindestens fragwürdig". Ob der Presserat aktiv werde, sei derzeit noch nicht klar. Der Presserat werde üblicherweise nach Beschwerden aktiv. Er könne aber auch aus eigener Kraft aktiv werden. Eine Intervention müsse von der Mehrheit des Presserats beschlossen werden. Der "Blick zeigte in seiner Ausgabe vom Freitag ein Mädchen auf dem Titelbild, das beim Busunglück vom Dienstagabend in den Tod gerissen wurde. Der Vater gab im Bericht Auskunft. Zudem wurden Bilder von weiteren Opfern abgedruckt.

Auch die flämische Medienministerin Ingrid Lieten kritisierte die Veröffentlichung von Fotos der Opfer in gewissen Medien. "Das geht viel zu weit", sagte sie am Freitag. Mehrere Zeitungen in Belgien hatten am Donnerstag teils sämtliche Fotos der getöteten und verletzten Opfer des Busunfalls vom Dienstagabend veröffentlicht. Auch in der Schweiz kursierten Fotos Internet. (sda)