Eine breite Allianz von prominenten Politikerinnen wehrt sich gegen das Geschichtsbild, das die SRG in ihrer 5-Millionen-Franken-Produktion "Die Schweizer" vermitteln will. Es ist ein Prestigeprojekt von SRG-Generaldirektor Roger de Weck: Im November lanciert das Schweizer Radio und Fernsehen auf allen Kanälen und in allen vier Landesteilen eine Geschichtsdebatte zum Selbstverständnis der Schweiz.
Höhepunkt des Themenmonats mit dem Titel "Die Schweizer" sind vier abendfüllende Filme über sechs grosse Figuren der Geschicht. Bereits vor der Ausstrahlung gerät die öffentlich-rechtliche Geschichtslektion nun unter Beschuss. Denn unter den porträtierten Persönlichkeiten findet sich keine einzige Frau. Zu den Kritikerinnen gehören fast alle noch lebenden aktuellen und früheren Präsidentinnen des Parlaments. "Es ist unfassbar, dass wir im Jahr 2013 noch immer gegen ein einseitiges Geschichtsbild kämpfen müssen", sagt Judith Stamm (CVP), Nationalratspräsidentin im Jahr 1997.
Die aktuelle Amtsinhaberin Maya Graf (Grüne) sagt zur "Schweiz am Sonntag": "Schon der Titel macht klar, dass die Frauen mit dieser Serie nicht angesprochen sind. Es kann doch nicht sein, dass in der heutigen Zeit diese Sensibilität noch immer fehlt." SP-Ständerätin Pascale Bruderer, Nationalratspräsidentin im Jahr 2009, spricht von einer "verpassten Chance". SP-Nationalrätin Yvonne Feri hat im Namen der SP-Frauen und mit 30 Unterschriften aus der SP-Fraktion bei Roger de Weck gegen das männerlastige SRG-Projekt protestiert. Auch CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann intervenierte schriftlich. Die SRG verweist die Kritikerinnen an das Rahmenprogramm, in dem auch "historisch bedeutende Schweizerinnen" porträtiert werden sollen. (Schweiz am Sonntag)
Frauen-Aufstand gegen "Die Schweizer"
SRF - Politikerinnen wehren sich gegen das vermittelte Geschichtsbild.