«Fridolin ist der Schutzpatron gegen Erbschleicherei»

Bruno Hug - Der Rapperswiler Verleger Bruno Hug zeigt sich willens, die Glarner Wochenzeitung Fridolin zu kaufen. Um den Titel ist ein Rechtsstreit entbrannt. Ob Hug der lachende Dritte ist, hängt nun davon ab, wie das Gericht entscheidet.

von Matthias Ackeret

Zeitungsknatsch in Glarus: Nachdem Somedia kürzlich den Kauf der Gratiszeitung Fridolin aus dem Besitz der finanziell angeschlagenen Verlag Fridolin Druck und Medien Walter Feldmann AG verkündet hatte, stimmte das Glarner Obergericht am Dienstag einem superprovisorischen Antrag zu, wonach die Absetzung des Geschäftsführers nicht rechtens gewesen sei. Was bedeutet: Der Verkauf an Somedia ist – vorerst – gescheitert. Dafür hat der Rapperswiler Gratiszeitungspionier, Verleger und Linth24-Gründer Bruno Hug eine halbe Million Franken – deutlich mehr als Somedia – an das Kantonsgericht überwiesen, um den Fridolin zu kaufen. Das Portal Inside Paradeplatz schreibt von einem «Thriller im Zigerschlitz». Wir haben Hug ein paar Fragen gestellt.

Herr Hug, der Verkauf des Fridolin im Kanton Glarus ist vorerst gescheitert. Das Obergericht hat den Verkauf an Somedia vorerst für nichtig erklärt. Übernehmen Sie nun die Zeitung?
Wir werden sehen, was das Gericht entscheidet.

Sie haben bereits mit Mitinvestoren 500'000 Franken auf ein Konto einbezahlt. Darf man Ihnen bereits gratulieren, sind Sie nun der neue Eigentümer?
Wie gesagt, das Glarner Gericht ist jetzt am Zug.

Die Somedia-Vertreter hatten sich schon im Fridolin-Verlag installiert, mussten aber gestern, am Dienstag, den Platz räumen, als der alt-neue Geschäftsführer mit dem Gerichtsurteil des Glarner Obergerichts auftauchte. Was löst das bei Ihnen aus?
Sicher keine Schadenfreude. Aber wenn ich an der Stelle von Somedia gewesen wäre, hätte ich mich im Verlagshaus vom Fridolin nicht installiert, bevor die Einsprachefrist abgelaufen war.

«Dann wird mir gelinde gesagt ‹gschmuch›»

Was lief Ihrer Ansicht nach falsch? Somedia hatte in den vergangenen Tagen bereits verkündet, dass sie der Retter des Fridolin seien.
Für mich war die Nähe des vom Glarner Kantonsgericht zur Abwicklung des Konkurses des Fridolin Verlags eingesetzten Sachverwalters zu den Somedia-Vertretern höchst befremdlich. Wenn der Sachverwalter der Somedia-Anwältin in einer uns bekannten E-Mail schreibt: «Jetzt können wir den Eigentümer des Fridolin-Verlags nötigen», dann wird mir gelinde gesagt «gschmuch». So oder so müsste der Fall für die Glarner Gerichtsbarkeit meiner Meinung nach ein Nachspiel haben.

Angenommen Sie bekommen nun den Fridolin. Was heisst das für die Zeitung? Was würden Sie ändern?
Beim Fridolin gibt es nichts zu ändern. Die Zeitung ist eine Glarner Institution. Das war übrigens neben der nötigen Medienvielfalt im Glarnerland der Hauptgrund, dass ich mich als Onlineverleger für dieses fantastische Wochenblatt interessierte.

Käme es zu Entlassungen?
Hoffentlich zum Gegenteil, zu neuen Jobs.

Wie sind die Reaktionen aus dem Kanton Glarus auf Ihr Kaufinteresse?
Da habe ich keine Ahnung.

Die Obersee Nachrichten, die Sie gegründet hatten, gehören auch der von der provisorischen Nachlassstundung betroffenen Fridolin Druck und Medien Walter Feldmann AG. Wollen Sie auch die Obersee Nachrichten rauskaufen?
Wir warten das Gerichtsurteil ab. Und dann sehen wir weiter.

Sie haben sich mit Linth24 in den vergangenen Jahren vor allem auf Online konzentriert, jetzt fokussieren Sie sich wieder auf den Print. Was bedeutet das für Sie und Ihren Verlag?
Ich fokussiere nicht auf Print. Print ist lokal kaum mehr zu finanzieren – ausser in Glarus, wo der Fridolin ja der kantonale Schutzpatron ist, und ganz speziell in diesem Fall, zumal der Fridolin der Schutzpatron gegen Erbschleicherei ist.