Nachdem im Herbst bekannt wurde, dass Michèle Binswanger den Mamablog verlassen wird, ist nun die Nachfolge geklärt. Ab Januar 2012 schreiben neben Jeanette Kuster neu Nina Merli und Andrea Fischer für den erfolgreichsten Schweizer Blog.
Bloggen übers Mutter-Sein: Nina Merli, Andrea Fischer und Jeanette Kuster. (Bild: Boris Müller)
"Das Autorinnen-Trio wird mit einem frischen Blick über die täglichen Tragik-Komödien aus dem Familien- und Beziehungsleben bloggen, mit Witz, Positionen und Provokationen die Blog-Community zum Kommentieren animieren", schreibt Newsnet in einer Mitteilung.
Nina Merli und Andrea Fischer neu mit dabei
Während Jeanette Kuster bereits seit einem Jahr für den Mamablog schreibt und daher den Lesern bestens bekannt ist, müssen sich Nina Merli und Andrea Fischer zuerst einen Namen schaffen als Mamabloggerinnen. Beide sind erfahrene Journalistinnen. Merli war Autorin für "Facts" und "Annabelle" arbeitete als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2010 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt in einer Patchwork-Familie und erwartet ihr erstes eigenes Kind. Fischer ist freischaffende Journalistin und Autorin des Buches "Das ganz normale Familienchaos", einem "Ratgeber für Eltern mit Herz und Humor". Wie die beiden anderen Mamabloggerinnen, lebt auch Fischer in Zürich - zusammen mit Tochter, Sohn und ihrem Mann.
Mittwoch gehört den Papa-Bloggern
Auch konzeptionell geht der Mamablog neue Wege. Die Pilotphase mit einem wöchentlichen Papablog hat sich offenbar bewährt, so dass Newsnet entschieden hat, regelmässig und institutionalisiert auch die Vätersicht aufzuzeigen. Jeweils mittwochs machen die Frauen Platz für bloggende Väter. Zum Papablog-Team gehören Rinaldo Dieziger (Gründer von Supertext), Maurice Thiriet (Reporter beim "Tages-Anzeiger") und Michael Marti (Stellvertretender Chefredaktor von Newsnet). Warum soll ein etablierter Journalist auch noch Bloggen? Michael Marti reizen die andersartigen Anforderungen: "Ich habe ja immer schon ab und zu im Mamablog gebloggt, also seit dem Start 2009. Bloggen ist anders. Als Blogger muss man Fragen aufwerfen, aber nicht alle beantworten. Bloggen darf subjektiv sein, emotional. Aber eines nie: langweilig." Marti freut sich auf die neue Disziplin, an der sich auch immer mehr seiner Berufskollegen versuchen wollen. "Als Blogger soll man eine Diskussion lostreten, die über das eigene Posting hinausführt. Man setzt sich den Kommentaren aus, der Kritik auch - das kann einem Journalisten nie schaden."
Michael Marti, Stellvertretender Chefredaktor und verantwortlich für die Newsnet-Blogs
Online-Leser wollen längere Texte
Der Ausbau der Blogs erfolgt aus zwei wesentlichen Gründen. Zum einen deckt Newsnet ein neu aufkommendes Bedürfnis ab. Zum anderen lassen sich die Blogs gut verkaufen. Beim Beobachten der Nutzerzahlen hat sich in den letzten Monaten herauskristallisiert, dass die Leser längere Hintergrundtexte genau so gerne lesen, wie kurze News. Laut Michael Marti, konnten die monatlichen Visits der Blogs im Vorjahresvergleich um rund 30 Prozent gesteigert werden. Das mobile Internet und die fortschreitende Verbreitung von Tablet-Computern machen das Lesen von Onlinetexten komfortabler. "Die Blogs sind auf unserer Seite gewissermassen Orte der Entschleunigung: Sie bieten längere, nicht zwingendermassen aktuelle Texte, die zum Nachdenken anregen, die Leute zum Kommentieren animieren. Einzelne Postings erreichen bis zu 1'000 Kommentare, was ja wirklich enorm ist", erklärt Marti. Gleichzeitig gehörten einzelne Postings immer wieder zu den meist gelesenen Texten auf der Webseite überhaupt. Mit den Blogs erweitert Newsnet das Themenangebot um Inhalte, wie man bisher vor allem im Print fand oder in Wochenmagazinen: Design, Lifestyle, Beratung. "Dadurch wird unsere Webseite kompletter. Und wir wissen auch, dass dieses Angebot einem echten Lesebedürfnis von Online-Usern entspricht", so Marti.
Blogs sind attraktiv für Werbetreibende
Die Werbeindustrie schätzt es, wenn Werbebanner so zielgruppengenau platziert werden können. Deshalb führt Newsnet neben dem Mamablog mittlerweile fünf weitere unterschiedliche Themenblogs: den "Sweet Home", den "Outdoor-Blog", den "Steilpass-Blog", den Wirtschaftsblog "Never Mind The Markets" und den "Politblog". Der zweisprachige "Politblog", eine Kooperation zwischen Newsnet, Edipresse-Journalisten und der "Tages-Anzeiger"-Printredaktion, konnte sich rasch als Debatten-Forum etablieren. Während beim Polit- und Wirtschaftsblog vor allem Autoren schreiben, die ihr Einkommen ausschliesslich als Journalisten verdienen, sind beim Wohnblog "Sweethome" oder beim "Outdoorblog" auch Leute tätig, die daneben einen anderen Beruf ausüben oder ein eigenes Geschäft führen. Dass dies auf die Blogs abfärben könnte, verneint Marti: "Unsere Blogger sind Journalisten, sogar preisgekrönte, und keine PR-Leute. Die Texte in den Blogs sind genauso journalistisch unabhängig wie jeder andere journalistische Content auf unserer Seite."
Text: Edith Hollenstein