Offenbar befindet sich die Tamedia organisatorisch schon mitten in der Vorbereitungsphase. "Dazu benötigen wir eine Investition; gleichzeitig müssen wir für die anfallenden neuen Kosten auch durch Umlagerungen aufkommen", so Hartmeier. Er stellt sich auf einen "mühsamen, langen Kampf" ein und rechnet mit fünf bis sieben Jahren, bis sich die Investition lohnen wird. Der Ausbau der Regionalstrategie soll in erster Linie im Kanton Zürich geschehen, bevor Gebiete ausserhalb des Heimmarktes bearbeitet werden. "Wir müssen uns im eigenen Kanton bewähren", so Hartmeier gegenüber "persönlich rot".
Mit der im März am linken Seeufer gestarteten Regionalausgabe des Tages-Anzeigers konnte Tamedia erste Erfahrungen sammeln. Darauf aufbauend sollen die künftigen Regionalausgaben lanciert werden: "Wir sind mitten im Lernprozess. Wir treten deshalb bewusst bescheiden und zurückhaltend auf. Nach der Auswertung unserer Erkenntnisse realisieren wir den nächsten Schritt." Die Redaktion und der Verlag mit dem neuen Leiter Rolf Bollmann sei gewillt, den Tages-Anzeiger schrittweise zu verändern. Aber: "Wir planen keinen völligen Neuauftritt wie die Basler Zeitung", so Hartmeier. Eine Marke wie der Tages-Anzeiger dürfe nicht abrupt geändert werden, solange die Abozahlen einigermassen konstant und die Leserzahlen stabil seien.
Die Expansionsstrategie begründet Hartmeier damit, dass der Tages-Anzeiger sein journalistisches Angebot nur finanzieren kann, wenn er seine Position hält oder ausbaut. Als einen Angriff auf die kleinen Regionalzeitungen will Hartmeier den Aufbau der Regionalredaktionen nicht verstanden haben: "Wenn wir unseren Marktanteil Schritt für Schritt in der Region Zürich vergrössern, greifen wir nicht in erster Linie kleine Regionalzeitungen an, sondern wir helfen mit, die Eigenständigkeit der Schweizer Zeitungslandschaft zu sichern." Die Branche könne nur überleben, wenn es auch in Zukunft grosse Zeitungen gebe, die über ein eigenes Korrespondentennetz verfügen.