"Für Christoph Mörgeli ist es schlimm"

Tagi - Iwan Städler zur Entlassung des SVP-Nationalrats.

Was sagen Sie dazu, dass Christoph Mörgeli entlassen worden ist?

Während meiner Recherchen merkte ich, dass ich in ein Wespennest gestochen habe. Und ich nahm an, dass die Artikel zu reden geben würden. Dass die Geschichte aber derart weite Kreise ziehen würden und zu einer sofortigen Freistellung von Christoph Mörgeli sowie zu einer Rücktrittsforderung gegenüber der Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli führen würde, hätte ich nie gedacht. Für Christoph Mörgeli ist das sicher schlimm, denn er hängt stark an seinem Museum.

Sind Sie überrascht über den Entscheid?

Ja, ich hätte wie gesagt nie gedacht, dass der Fall derart eskalieren würde. Bei der Publikation meines ersten Artikels hatte ich noch den Eindruck, dass die Unileitung das Problem unter dem Deckel halten will. Erst später erfuhr ich von der ausserordentlichen Leistungsbeurteilung und dem Termin von heute Freitag, der offenbar schon im Februar feststand.

Ist die Entlassung Ihrer Meinung nach gerechtfertigt?

Das habe ich nicht zu beurteilen. Ich kann aber nachvollziehen, dass das Vertrauensverhältnis nicht mehr vorhanden war.

Was sagen Sie dazu, dass die Universität Zürich eine Strafanzeige wegen Amtsgeheimnisverletzung gegen Ihre Quelle eingereicht hat?

Das war klar und ist auch konsequent.

Spielten Ihre Artikel bei der Entlassung von Mörgeli eine Rolle?

Sie waren sicher nicht das auslösende Moment. Der Termin von heute stand ja schon im Februar statt - sieben Monate vor meinem ersten Artikel. Ich schätze, es wäre ohnehin zur Trennung gekommen. Aber ohne die Artikel wäre es wohl nicht zu dieser Eskalation in den letzten paar Tagen gekomen.

Werten Sie die Entlassung als persönlichen Erfolg/eine Genugtuung?

Nein. Eine Genugtuung verspürte ich, als mir Leserinnen und Leser attestierten, gut recherchiert und fair geschrieben zu haben. Ich bin Journalist, nicht Politiker.

Ihre Artikel haben in den Schweizer Medien ein Riesen-Brimborium ausgelöst, heute lanciert Newsnet sogar einen Live-Ticker zum Fall Mörgeli – ähnliches gab es bei Fukushima und dem Libyen-Krieg. Ist da die Verhältnismässigkeit noch gewahrt?

Das Leserinteresse ist riesig, und das Ausmass, welches diese Geschichte angenommen hat, überrascht auch mich.

Der "Sonntag" schrieb bereits am 16. September, dass Mörgeli fristlos entlassen sei. War der Entscheid zu diesem Zeitpunkt tatsächlich schon bekannt?

Mir nicht. Christoph Mörgeli wurde ja auch nicht fristlos entlassen, sondern mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten.

Jetzt haben Sie ja nichts mehr zu schreiben. Wie weiter?

Ich bin ehrlich gesagt froh, wenn die Affäre vorbei ist. Die Arbeitsbelastung während der letzten Tage und Wochen war gross. Und es sind einige andere Themen liegengeblieben.

Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch das Interview mit "Sonntag"-Journalist Christof Moser auf www.persoenlich.com.

Interview: Benedict Neff