Die linke Berliner Zeitung taz porträtiert in ihrer Dienstagsausgabe den neuen NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann. Sie hält den 38-Jährigen für fleissig, pflichtbewusst -- und "bislang profillos". Für ein Interview war Spillmann nicht zu haben, "terminlich unmöglich", so sein knapper Bescheid gegenüber der taz. Für das Blatt klingt das nach Stress und Arbeit im Akkord -- oder aber nach Furcht vor der Öffentlichkeit. "Der neue Chefredaktor der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) ist noch nicht daran gewöhnt, Teil einer Nachricht zu sein", so die taz. Dazu passe auch, dass Spillmann, welcher der NZZ seit 1. April als Chefredaktor vorsteht, in der Branche weitgehend als Terra incognita gelte. Man sei gespannt, wann und wie sich Spillmanns Profil erstmalig zeigen werde.
Auch hat die taz bei ihrer Recherche in Zürich herausgefunden, dass Spillmann bei seinen Schweizer Kollegen nicht als begnadeter Schreiber gilt -- "sein Stil wirke manchmal bemüht", schreibt die taz. Spillmann sei vielmehr die personifizierte NZZ: "Jemand, der unaufgeregt daherkommt, nicht jede Mode mitmacht -- aber den Nagel auf den Kopf trifft." Aus dem Schatten des mächtigen Felix E. Müller jedoch sei er nie hervorgetreten. Deshalb habe er auch nie als ein ernst zu nehmender Favorit für das Amt des Chefredaktoren der NZZ gegolten.