Frau Von Arx, seit den 90er-Jahren leben Sie in Hollywood. Was hat Sie damals zum Umzug nach Californien bewogen?
Eigentlich suchte ich eine Winter-Saison-Stelle im Wallis, um meine Französisch-Kenntnisse aufzubessern und besser Skifahren zu lernen. Mein damaliger Chef bei einer TV-Zeitschrift fand das jedoch keine gute Idee und offerierte mir ein Fixum, wenn ich meinen Sprachaufenthalt statt in Crans Montana in Los Angeles machen und über Film und Fernsehen berichten würde. So besserte ich dann statt meine Französisch- meine Englisch-Kenntnisse auf. Schliesslich bin ich in LA hängen geblieben. Und Skifahren kann ich leider immer noch nicht so gut.
Fiel es Ihnen leicht, sich in den USA einzuleben?
Obwohl ich dachte, ich kenne die USA aus Film und Fernsehen, hatte ich am Anfang doch einen Kultur-Schock: Bei der Autovermietung musste man mir zuerst einen Automat erklären, weil sie keine Autos mit Gangschaltung hatten. Ich suchte gelbe oder rote Briefkästen, dabei waren sie blau und sahen aus wie Abfalleimer. Dass die Parkfelder durch Kreuze markiert sind, kapierte ich erst nach meiner ersten Fast-Busse. Aber das alles lernt man schnell. Man macht auch schnell Freunde, nur das Bodenständige muss man sich in der Stadt der grossen Träumer etwas mühsamer zusammensuchen.
Sie sind dort unter anderem als Hollywood-Kolumnistin für bluewin.ch Einsatz. Wie ist es zu diesem Engagement gekommen?
Letzlich durch Facebook: ich hatte auf einem Event eine Journalisten-Kollegin kennengelernt, wir blieben in FB-Kontakt, woraus später die Zusammenarbeit entstand.
Ist die Hollywoodwelt tatsächlich so glamourös wie man sich dies vorstellt? Was reizt Sie an dieser Glitzerwelt?
Für die einen schon. Aber glamourös ist man ja nicht einfach, dafür arbeitet man auch - im Gym, im Beautysalon, etc. Aber das ist nicht mein Job. Die Glitzerwelt an sich reizt mich nicht besonders. Was mich nach wie vor reizt, sind gute Filme. Und ja, auch Hollywood macht diesbezüglich Kunst.
Wie weit reicht Ihr Einkommen als freie Journalistin in den USA?
Als Journalistin wird man nicht reich, aber ich lebe bescheiden und so reichts.
Was ist in den Staaten anders zum Journalisten-Job in der Schweiz?
Alle Promis in den USA haben Pressesprecher, deren Job es zu sein scheint, Interviews zu verhindern. Einerseits ist das verständlich, denn in LA sind Journalisten aus der ganzen Welt, die die Promis interviewen wollen. Da könnten sie wohl den ganzen Tag nur Interviews geben. Andererseits ist es aber auch frustrierend, wenn man selbst für das Banalste nicht in vernüftiger Zeit einen Kommentar oder eine Bestätigung etc. bekommt.
Wie kommen Sie denn an die Interviews mit den gefragtesten Superstars?
Zum Filmstart organisieren die Filmstudios Interview-Zeit mit den Stars. Da hakt man sich ein.
Wie ist die Konkurrenz unter den Hollywood-Journalisten? Gibt es eine Art Zickenkrieg?
Ich mag das Wort Zickenkrieg nicht, weil es die Männer ausschliesst. Wer das gleiche Land abdeckt, kann sich unter Umständen schon auf die Füsse treten. Oft haben Journalisten das Nachsehen, die für Outlets mit langen oder längeren Produktionszeiten arbeiten. Aber man hilft sich auch untereinander aus.
Warum interviewen Sie gerne Stars?
Dass die Schweizer Medienlandschaft (zum Teil auch widerwillig) berühmte Leute aus Hollywood abdeckt, habe nicht ich erfunden. Für mich ist jeder mit einer guten Geschichte ein Star. Ich bin mal für eine Geschichte mit einem Migros-Heizöllieferanten einen Tag mitgefahren. Ein sehr interessanter Mensch - für mich ein absoluter Star. Aus Hollywood berichtet man in der Regel logischerweise über US-Filmstars. Und last but not least: Ich bin aus Freude am Medium Film nach LA gekommen - Filmstars gehören da dazu.
Was für Beziehungen pflegen Sie zu den Schauspielern etc? Gibt es Kontakte, die übers Business hinausgehen?
Da sind vermutlich nicht alle meine Kollegen mit mir der gleichen Meinung, aber ich würde jetzt mal behaupten: Egal wie nett mir George Clooney bei einer Cocktail-Party von seiner letzten Töffreise durch die Schweiz erzählt (er weiss mittlerweile, das mich das als Schweizerin interessiert), letztlich ist das alles Business. Man wird umarmt und geküsst, aber befreundet ist man deswegen noch lange nicht.
Haben Sie einen Lieblingsstar?
Meine Lieblingsstars sind solche, die auch über sich selber lachen können und kapieren, dass ein authentisch herüberkommendes, unterhaltendes Interview auch ihnen dient. Action-Stars wie Stallone und Schwarzenegger haben das immer begriffen. Angelina Jolie versteht das, George Clooney versteht das. Jennifer Aniston versteht das nicht. Jude Law auch nicht. In der Regel mag ich ältere Stars, denn sie sind offener als die jüngeren, die meinen, mit jeder Antwort ihre Karriere aufs Spiel zu setzen.
Welche Schweizer Promis würden Sie gerne interviewen?
Lustig, dass Sie das fragen. Bevor ich nach LA auswanderte, sagte ich, ich will noch Stefan Eicher, Paul Accola und Heiner Hug interviewen. Stefan Eicher und Paul Accola habe ich geschafft, zu Heiner Hug hat es nicht mehr gerreicht. Heute würde mich ein Schwinger interessieren (Wenger Killian ist vielleicht momentan etwas zu gut abgedeckt, könnte mir auch einen Newcomer vorstellen), irgendwann mal Roger Federer und Andreas Moser - er scheint Kompliziertes gut erklären zu können und keine Angst vor seiner eigenen Meinung zu haben.
Auf welches Interview sind Sie besonders stolz?
Es gibt sicher bessere und weniger gute. Vor kurzem war ich ein bisschen stolz, dass sich Dank eines meiner Interviews nun in der Schweiz herumgesprochen hat, dass Meryl Streep ein Schweizer Grosi hat. Im Ausland wird man ja bekanntlich patriotisch...
Oft posieren Sie gemeinsam mit den Stars. Warum?
Als Beweismaterial natürlich. Und um meine Kolumne zu individualisieren. Sie glauben doch nicht etwa im Ernst, dass ich meine Rübe aus einem anderen Grund in Szene setze, oder?
Welche Stelle würde für Sie nach all dem Glamour ein Karrieresprung bedeuten?
Das ist eine gute Frage und sehr schwer zu beantworten: Klar gibts höhere Berufs-Titel und mehr Geld, nach dem man streben könnte. Aber ist das wirklich erstrebenswerter als die Freiheit, die ich jetzt habe?
Interview: Corinne Bauer.