Herr Hagemann, Sie sagten, Ihre Familie verkaufe die BZM unter anderem auch, weil eine generationenübergreifende Perspektive fehle. Was meinten Sie damit?
Das heisst, dass ich als Verleger die Mehrheit am Unternehmen nicht so lange halten kann, bis mein heute 16jähriger Sohn die BZM übernimmt falls er sich überhaupt je dafür interessieren würde. Der Strukturwandel im Medienbereich war in den letzten zehn Jahren einfach zu tiefgreifend und unsere Familie ist nicht so kapitalkräftig wie das neue Aktionariat.
Wofür hat Ihnen denn Kapital gefehlt? Welche Projekte konnten Sie mangels Geld nicht umsetzen?
Für zwei Dinge: Zum einen, um aus der Rezession zu kommen. Bis zu einer nächsten Konjunkturbaisse hätten wir es zwar auch selbst geschafft. Aber schon für die nächste Rezession müssen breitere Schultern da sein. Geld hätten wir beispielsweise auch bei der Birkhäusergruppe für verschiedene interessante Projekte benötigt. Punkto Finanzierung mussten wir uns immer etwas nach der Decke strecken.
Hatten Sie auch Projekte bei der Basler Zeitung?
Mit 83 Redaktionsstellen ist die BaZ im Rahmen dessen, was für eine Tageszeitung heute möglich ist, immer noch gut aufgestellt. Im Wirtschaftsteil aber könnte sie durchaus einige Investitionen ertragen was Herrn Tettamanti natürlich ein grosses Anliegen ist. Unsere Leute dort machen ihre Arbeit zwar gut, aber seit dem Abgang von Ressortleiter Felix Erbacher haben wir ein Führungsvakuum. Ein Ersatz ist teuer und wir sind auf Sparflamme.
Was am Konzept des neuen Verlegerduos Tettamanti/Wagner mal abgesehen von der Finanzkraft hat Sie am meisten überzeugt? Haben die beiden eine Vision für Birkhäuser? Oder für die BaZ?
Klar, wenn es um Investitionen geht, haben sie mehr Möglichkeiten. Was mich aber überzeugte, war ihr klarer Wille zur Eigentümer-Vielfalt. Auch wir haben das jeweils hochgehalten, doch langfristig können wir nicht mehr. Dass die Herren Tettamanti und Wagner weiterhin versuchen, für die Region eine eigenständige Lösung zu erhalten, fand ich toll.
Sie sagten, dass Sie bei Birkhäuser Potenzial sehen wo konkret?
Ich denke etwa an Verpackungsprospekte für die Pharmaindustrie oder an Etiketten für Ampullen. Das tönt sehr einfach, muss aber absolut sauber, also unter Laborbedingungen, produziert werden. In diesem Segment sind die Preise einigermassen gut geblieben sind, weil es nicht jeder kann. Aber man muss in Gebäude und Anlagen investieren können.
Und das neue Verlegerduo wird dies nun tun?
Das ist nur ein Beispiel, auf das wir bisher hingearbeitet haben. Ob dieses Projekt aber weiter geführt wird, ist Sache der neuen Eigentümer ich schreibe ihnen nicht vor, was sie tun sollen.
Sie bleiben nach wie vor Mitglied des Verwaltungsrates. Wie lange?
Das haben wir nicht terminiert. Ich muss jetzt mal sehen, wie sich das anlässt. Es ist natürlich eine Rollen-Umstellung - von dem, der das Sagen hatte zu dem, der es nicht mehr hat. Da ich mich selbst aber nicht als egoman einschätze, habe ich die Hoffnung, dass es gelingt.
Ihre Hauptaufgabe reduziert sich nun quasi auf Radio Basilisk. Fällt Ihnen das schwer?
Nein. Ich würde aber nicht von Reduzieren sprechen. Für mich ist Radio Basilisk eine enorme Chance. Denn ich wäre sehr unglücklich, wenn ich nach 15 Jahren in den Medien nicht mehr in diesem Bereich tätig sein könnte. Die Perspektive, nun zwei Jahre auf ein Anwaltspatent hinzuarbeiten, erscheint mir second best. Kommt dazu, dass Radio Basilisk eine ganz andere Grössenordnung hat als die BZM, und dass bei einem Lokalradio die Investionen verkraftbar sind. Ich freue mich deshalb sehr auf diese Aufgabe, auf die Zusammenarbeit mit der Crew und dass ich etwas Neues kennen lerne. Falls es mir gelingt, wenigstens das Radio als Familienunternehmen zu erhalten, fände ich das toll.
Radio Basel 1 gehörte vor dem Verkauf an Christian Heeb zur BZM, doch Sie kamen damit auf keinen grünen Zweig. Warum sollte es nun mit Basilisk besser funktionieren?
Weil Basilisk eben schon auf dem grünen Zweig sitzt. Wir brachten Basel 1 zwar nahe an Basilisk heran, aber es wurde doch nie die Nummer eins. Das wäre aber nötig gewesen, um auch finanziell Erfolg zu haben. Denn in der Region Basel hat es nur dann Platz für zwei Sender, wenn es zu einer Marktausweitung kommt. Dies könnte etwa dann der Fall sein, wenn das neue Programm von Christian Heeb tatsächlich zu einer Belebung beiträgt. Grundsätzlich aber muss ich nun alles daran setzen, mit Radio Basilisk die Nummer eins zu bleiben.
(Interview: Markus Knöpfli)