"Für mich ist SF DRS ein Medium wie jedes andere auch"

- Ein ausführlicher Beitrag von "10vor10" über eine Studie des Partnervermittlers Parship sorgt für Kontroversen: Gemäss der SonntagsZeitung wittert Partnerwinner, die Internet-Verkupplungsagentur der Tamedia Günstlingswirtschaft am Leutschenbach. Denn Sacha Wigdorovits, Lebenspartner von Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre, ist Medienberater des Portals. Gegenüber "persoenlich.com" dreht der PR-Profi den Spiess nun um: Der Artikel der SonntagsZeitung sei ein typisches Beispiel von Konzernjournalismus, findet Wigdorovits im Interview.

"10vor10" strahlte am 1. Juli einen Bericht über eine Studie Ihres Kunden Parship aus. Das Logo wurde sechs Mal eingeblendet: Ihr Kunde war sicherlich hochzufrieden mit Ihrer Medienarbeit.

Ja, das stimmt. Praktisch alle grossen Tageszeitungen berichteten über die Studie. Die NZZamSonntag brachte einen Artikel an der Bundspitze, im SonntagsBlick wie auch auf Schweizer Radio DRS3, Radio Energy und Radio24 erschienen Interviews mit dem Verfasser der Studie.

Die SonntagsZeitung spricht in Zusammenhang mit dem "10vor10"-Beitrag von "Gratiswerbung" für Ihren Kunden. Was sagen Sie dazu?

Das ist Blödsinn. Parship wurde im Bericht erwähnt, weil es der Auftraggeber der Studie war. Und wer eine Studie zitiert, muss auch die Quelle angeben, das gehört sich so. Im Übrigen ist der Artikel der SonntagsZeitung ein typisches Beispiel von Konzernjournalismus. Partnerwinner ist wie die SonntagsZeitung Teil der Tamedia. Offenbar hat sich der Geschäftsführer von Partnerwinner darüber geärgert hat, dass er es verschlafen hat, selber eine solche Studie in Auftrag zu geben. Deswegen hat er sich in der Folge bei der SonntagsZeitung über den "10vor10"-Beitrag beschwert. Ins gleiche Bild passt auch eine Aussage von 20Minuten-Chefredaktor Marco Boselli: Er begründete den Verzicht auf einen Chat mit einer Single-Beraterin von Parship mit dem Hinweis, dass 20Minuten schliesslich zum gleichen Konzern gehöre wie Partnerwinner, und Parship eben ein Konkurrent sei.

Die Sonntagszeitung dementiert Ihre Darstellung...

Das ist erstaunlich. Denn mir gegenüber hat der Journalist der SonntagsZeitung gesagt, er habe erwogen, auf den Artikel zu verzichten, um nicht des Konzernjournalismus bezichtigt werden.

Dann sprechen Sie -- im Gegensatz zu Frau Deltenre -- noch mit dem Medienjournalisten der SonntagsZeitung?

Eben, auch das zeigt, dass hier von einer unlauteren Zusammenarbeit keine Rede sein kann.

Auch für Medien-Professor Roger Blum ist der "10vor10"-Beitrag "hart an der Grenze zur Werbung".

"Hart an der Grenze" ist aber nicht jenseits davon. Die anderen Schweizer Vermittler wurden im Beitrag ebenfalls erwähnt. Weiter hat Blum ausdrücklich gesagt, dass es sich bei diesem Bericht nicht um unlauteren Wettbewerb handle. Der normale TV-Konsument bekomme von den Firmennamen kaum etwas mit, fand Blum.

Hat Ingrid Deltenre von der Ausstrahlung des "10vor10"-Beitrags gewusst?

Nein, meine Lebenspartnerin hat mit der Ausstrahlung des Berichts nichts zu tun. Wir haben alle Medien zu einer normalen Pressekonferenz eingeladen. Die einen sind gekommen, andere haben die Studie verlangt, darunter auch die SonntagsZeitung.

Teil Ihres Berufes ist, Ihren Kunden über Netzwerkarbeit Medienpräsenz zu verschaffen. Wie weit können Sie beim Schweizer Fernsehen gehen?

Für mich ist das Schweizer Fernsehen ein Medium wie jedes andere auch, es wird nicht speziell behandelt. Im vorliegenden Fall mussten wir gar keine Arbeit leisten, weil "10vor10" uns schon im Voraus die Teilnahme an der Pressekonferenz zugesichert hat -- wie zahlreiche andere Medien auch.

Sie sprechen also heikle Lobbying-Aktivitäten mit Ihrer Lebenspartnerin nicht ab?

Über solche Sachen sprechen wir nicht. Weder sie mit mir, noch ich mit ihr.

Haben Sie aufgrund der privaten Konstellation auch schon Aufträge verloren?

Nein, ich habe deswegen weder Mandate gewonnen noch verloren. Dies aus einem ganz einfachen Grund: Wir haben vor allem mit Projekten zu tun, die für die Wirtschaftsberichterstattung interessant sind und weniger fürs Schweizer Fernsehen oder andere elektronische Medien in Frage kommen.

Nützt es denn Ihrem Unternehmen "Contract Media", dass Ihre Lebenspartnerin Direktorin von SF DRS ist -- oder schadet es vielmehr?

Beruflich nützt es mir sicherlich nicht. Aber ich schätze ihre Kompetenz im Marketing-Fragen ausserordentlich. Deswegen bespreche ich mit Ihr auch Konzepte, die ich in diesem Zusammenhang erarbeite. Sie ist meine härteste Kritikerin. Meine Medienarbeit kommt hingegen nicht zur Sprache. Insgesamt unterscheiden sich unsere Diskussionen jedoch nicht von solchen, die man üblicherweise in einer Partnerschaft führt.