Führung reagiert auf Protestbrief

SRF - Nach dem Abgang von Auslandchefin Susanne Brunner kritisierten 120 Radio-Mitarbeitende die Reorganisation bei SRF. Nun sucht die Co-Leitung der Information das Gespräch: Übernächste Woche soll ein Austausch stattfinden, wie aus ihrer Antwort hervorgeht, die persoenlich.com vorliegt.

Der Protestbrief, der persoenlich.com vorliegt, ging am Dienstag an die Co-Leitung der Information. Zuerst hatten die Zeitungen von CH Media darüber berichtet. Die Unterzeichnenden bemängeln, dass für Brunner kein «angemessener Platz in den neuen Strukturen» gefunden worden sei. Laut dem Brief wurde sie dazu gebracht, SRF zu verlassen.

Eine interne Mitteilung, die persoenlich.com zugespielt wurde, gibt Einblick in die Hintergründe: Brunner habe sich im Zuge der Neuorganisation auf eine neue Führungsfunktion beworben, die Wahl sei jedoch auf eine andere Person gefallen. Daraufhin habe sie auf eine Frühpensionierung verzichtet und stattdessen eine Kündigung durch SRF angenommen. Bis zu ihrem Austritt bleibe sie journalistisch für SRF tätig.

Die 62-Jährige arbeitet seit 40 Jahren für SRF, war Korrespondentin in den USA, in der Westschweiz und im Nahen Osten und moderierte elf Jahre das «Tagesgespräch». Die Rechtsfakultät der Universität Fribourg verleiht ihr die Ehrendoktorwürde. Neben ihr geben bei Radio SRF auch die Leiter der Wirtschafts- und der Inlandredaktion, Jan Baumann und Stefan Eiholzer, ihre Funktionen ab (persoenlich.com berichtete).

Grundsätzlich vermissen die Radioleute beim Umbau «publizistische Überlegungen». Es gehe vor allem um die Verbreitung der Inhalte, nicht um die Inhalte selbst. SRF führt derzeit die Chefredaktionen von Radio und Fernsehen zusammen, alle Kaderleute mussten sich neu bewerben.

Die beiden Co-Leitenden der Information, Ursula Gabathuler und Beat Soltermann, bestätigen in ihrer Antwort den Erhalt des Schreibens und danken den Unterzeichnenden, dass sie ihre Bedenken offen formuliert hätten. Man nehme die Anliegen ernst und wolle die Fragen und Kritikpunkte direkt besprechen. Wegen der Ferienzeit habe man den Termin übernächste Woche gewählt, damit möglichst viele teilnehmen könnten. Eine Einladung folge in den nächsten Tagen.

Gegenüber CH Media schrieb die SRF-Medienstelle, man werde die Anliegen intern aufarbeiten. Zu Personalien äussere man sich nicht. Bei der Fusion würden Führungsfunktionen neu ausgerichtet oder aufgehoben, dies sei kein Werturteil über die Betroffenen. (cbe)