Fussball führt Jahreswertung vierfach an

SF-Quoten - Bestenliste der Sportübertragungen.

Als Köbi Kuhn vor viereinhalb Jahren Nationalcoach wurde, erreichte er mit seinem besten Länderspiel knapp 600 000 TV- Zuschauer und musste den Top-Platz den U-21-Junioren überlassen. Inwischen ist er mit der "Nati" dreifacher TV-Millionär.

2001 reichte es dem Nachfolger von Enzo Trossero gerade zum 32. Platz in der TV-Hitliste. Im Jahr 2005 übertraf Kuhn mit der Nationalmannschaft dreimal die Millionengrenze und führt gleich vierfach die Jahreswertung der meistgesehenen Sendungen an. Er hat damit seine TV-Anhängerschaft innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppelt.

Nur Zurbriggen vor der Fussball-Nati

Das Skandalspiel Türkei - Schweiz erreichte einen Rekordwert von 1,575 Millionen Zuschauern (66,5 Prozent Marktanteil) und wird im Allzeit-Ranking nur von den Ski-Assen übertroffen, die am 3. Februar 1985 bei der WM-Abfahrt in Bormio (mit dem Sieg von Pirmin Zurbriggen) 1,749 und bei der Lauberhorn-Abfahrt 14 Tage vorher 1,628 Millionen erreichten. Bezüglich Marktanteil hält immer noch das Fussball-WM-Spiel 1994 gegen Kolumbien den Rekord. Damals schalteten 84 Prozent der Deutschschweizer auf den Kanal von SF DRS.

Im Jahr 2001 hatte TV-Sportchef Urs Leutert noch bedauernd festgestellt: "Der Fussball hat grösste Mühe." Während dreier Jahre dümpelten die Schweizer Länderspiele mit tiefem Beachtungsgrad von weniger als einer halben Million Zuschauern dahin. Sogar die U21- Junioren stachen das A-Team aus. Jetzt, wo die einstigen U21- Junioren das Gerippe der Nationalmannschaft bilden, sind sogar die Allzeit-Rekorde von Zurbriggen, Müller & Co. in Gefahr.

Anderseits rutschten die Skifahrer, die einstigen Lieblinge der Nation, in ein Quotentief. Vor allem bei den WM 2005 in Bormio, aber auch in der Weltcup-Saison allgemein mussten sie einen Zuschauerrückgang von gegen 20 Prozent in Kauf nehmen. Dafür sind die Marktwerte (bis 71,3 Prozent) weiterhin mit Abstand die höchsten. Und in den Top 100 befinden sich immer noch -- wie 2004-- 33 Ski-Übertragungen (Fussball 35, Auto 12 und Eishockey 10).

Weltklasse Zürich von 1 auf 25

Generell ist der TV-Zuschauer wählerischer geworden. Das mussten im letzten Jahr auch die Leichtathleten erleben. Das Zürcher Meeting, sonst seit Jahrzehnten in den Top-Positionen des Rankings, stürzte mit 515 000 Zuschauern auf den 25. Platz ab, nur noch knapp vor dem Cupfinal Zürich - Luzern, der mit 497 000 einen Cup-Rekord erzielte. Im Jahr 2001 war «Weltklasse Zürich» noch die Nummer 1. Dafür tauchten mit dem Motorrad-Crack Tom Lüthi und dem Eiskunstlauf-Weltmeister Stéphane Lambiel zwei neue Sterne auf und schafften es auf Anhieb in die Top Ten.

Die erstaunlichen Leistungen des FC Thun in der Champions League manifestierten sich auch in den TV-Quoten. Strassenfeger wie seinerzeit die FCB-Spiele gegen Liverpool und Manchester United, die über eine Million Zuschauer vor den Bildschirm lockten, waren die Thuner Matches zwar nicht, aber mit Werten von bis zu 760 000 brachten es die Berner Oberländer immerhin dreimal ins erste Dutzend.

Erstmals musste die Formel 1 den Motorradsportlern den Vortritt lassen. Sie besitzt zwar ein treues Stammpublikum, aber mehr als eine halbe Million Zuschauer wurde 2005 bei keinem GP gemessen. Dafür steigern sich die Eishockeyaner kontinuierlich. Gleich vier WM-Spiele der Schweiz und dazu auch der Playoff-Final Davos - ZSC Lions übertrafen die 400 000er-Grenze. 2003 kam der Spengler-Cup-Final als meistgesehene Eishockey-Sendung über 329 000 Zuschauer und den 88. Rang nicht hinaus.

Federers Fans mit Sitzleder

Zurückgestutzt wurden die Beachvolleyballer, die bei den Olympischen Spielen zweimal über eine halbe Million Zuschauer erreichten. Bei der meistbeachteten TV-Übertragung, dem WM-Final mit Sascha Heyer und Paul Laciga, schauten gerade noch 100 000 Zuschauer zu. Schwer tut sich weiterhin Tennis. Ohne Roger Federer gerieten die Swiss Indoors in Basel TV-mässig zum Fiasko. Nicht einmal der Final erreichte die 100 000er-Grenze.