Bei der Aushandlung des neuen Gesamtarbeitsvertrages (GAV) für die Druckindustrie sind sich Arbeitgeber und Gewerkschaften erneut in die Haare geraten: Der Branchenverband Viscom lehnt die von den Gewerkschaften geforderte Allgemeinverbindlichkeitserklärung (AVE) ab.
Die fliessenden Branchenüberträge verunmöglichten eine notwendige und eindeutige Abgrenzung des Geltungsbereichs, so der Standpunkt von Viscom. Insbesondere die Vorstufe sei weitgehend branchenübergreifend und Aufträge wanderten vermehrt ins Ausland ab. Prepress-Arbeiten würden in sämtlichen Branchen ausgeführt, was die notwendige und eindeutige Abgrenzung des Geltungsbereichs und damit die Durchsetzung der AVE nahezu verunmögliche. Laut Viscom müsse der neue Gesamtarbeitsvertrag den Erfordernissen des Marktes angepasst werden.
Die Gewerkschaft comedia warf Viscom vor, einen Discount-GAV auf dem Niveau der schwarzen Schafe der Branche durchsetzen zu wollen. Die AVE sei eine der zentralen Forderungen in den GAV-Verhandlungen, weil sie unlautere Konkurrenz eindämme, Lohndrückerei unterbinde und mehr Geld für Weiterbildung freisetze. In weiteren Punkten fordert comedia den Teuerungsausgleich, 200 Franken mehr Lohn, die Gleichstellung von Mann und Frau, 3500 Franken Mindestlohn und einen wirksamen Kündigungsschutz.