"Gegenwind für Zürcher Projekt"

ONZ - Urs Gossweiler über seine "Niederlage".

Heute wurde bekannt gegeben, dass die ONZ aufgibt. Warum ist man gescheitert?

Publizistisch war die ONZ ein Erfolg. Wir hatten ein exzellentes Team, das hervorragende Arbeit leistete. Ganz klar nicht erreicht hat die ONZ ihre Ziele im Werbemarkt. Die Zahlen waren immer ein Drittel unter dem Soll. Deshalb hat der Verwaltungsrat den nachvollziehbaren Entscheid getroffen, die Zeitung einzustellen, solange eine ordentliche Liquidation noch möglich ist. Wir haben auch diskutiert, neues Kapital zu schaffen. In vier Jahren wäre die ONZ in den schwarzen Zahlen und selbsttragend gewesen.

Wird man die 17 gekündigten Mitarbeiter bei Gossweiler Media weiterbeschäftigen?

Ich würde jeden einzelnen gerne mit Handkuss bei der uns aufnehmen. Leider ist dies zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht möglich, da wir bei der "Jungfrau Zeitung" ebenfalls ein exzellentes Team haben und uns keine Doppelbesetzungen leisten können. Auch das Projekt Zürich ist noch nicht weit genug fortgeschritten, um Personal einzustellen (persoenlich.com berichtete).

Wie ist der Stand beim Projekt Zürich?

Mann muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass nach dem Misserfolg in Obwalden und Nidwalden auch den geplanten Quartierzeitungen in Zürich ein harter Gegenwind ins Gesicht bläst. Wäre man hingegen mit der ONZ reüssiert, hätte dies Rückenwind gebracht. Mit den Investoren führen wir intensive Gespräche. Ein Pechstag wie heute ist dabei natürlich nicht förderlich.

Was bedeutet der Fall ONZ für ihr Modell der Mikrozeitung?

Es ist eine klare verlegerische Niederlage. Niederlagen gehören zum Leben, man kann nicht immer Erfolg haben. Ich bin jedoch nach wie vor davon überzeugt, dass das Modell "Mikrozeitung" funktioniert. Die Jungfrau Zeitung hat seit 10 Jahren grossen Erfolg. Es braucht auch in weiteren Regionen eine zweite publizistische Stimme. Wahrscheinlich waren wir etwas zu früh für gewisse Gebiete. In Zukunft wird es eine Umwälzung des Werbemarkts geben, die Online stärker gewichtet. Dann setzt sich das Modell "Mikrozeitung" auch im Werbemarkt durch.

Planen Sie also schon weitere Projekte?

An erster Stelle wollen wir jetzt mit Anstand das Projekt ONZ beenden. Dann schauen wir, was aus Zürich wird. Natürlich steht Gossweiler Media -- wie auch bei der ONZ -- immer gerne mit Know-How und Inputs für neue Projekte zur Seite. Doch auch für diese braucht es Investoren. Diese werden nach dieser Niederlage jedoch kaum mit Jubelgeschrei in ein nächstes Projekt einsteigen.

Interview: Corinne Bauer.