Die türkische Rundfunkbehörde RTÜK geht einem Zeitungsbericht zufolge nun gegen regierungskritische Sender vor. Halk TV, Ulusal TV und zwei weitere Fernsehsender müssten eine Geldstrafe zahlen, berichtete die türkische Tageszeitung "Hürriyet" am Mittwoch in ihrer Onlineausgabe.
Den TV-Stationen werde vorgeworfen, gegen Sendeprinzipien verstossen zu haben und mit ihren Programmen die geistige und moralische Entwicklung junger Menschen zu gefährden. Halk TV ist einer von wenigen Sendern, die durchgehend über die Proteste in der Türkei berichten. Dagegen blenden die Stationen der grossen Medienkonzerne wichtige Entwicklungen bei den Protesten aus, obwohl sie traditionell viele Liveübertragung haben.
In der Nacht zum Mittwoch waren die gewaltsamen Zusammenstösse zwischen der Polizei und Gegnern der islamisch-konservativen Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan weitergegangen. Sicherheitskräfte räumten den zentralen Taksim-Platz in Istanbul, den Ausgangspunkt der vor knapp zwei Wochen begonnenen Proteste. Dabei setzte die Polizei erneut Wasserwerfer und Tränengas ein.
Auch aus der Hauptstadt Ankara wurden wieder Zusammenstösse gemeldet. Angesichts der Gewalt rief UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon alle Beteiligten zu Ruhe und friedlichem Dialog auf. Die US-Regierung äusserte sich besorgt. (sda)