Grosser Streit um ein kleines Stück Stoff: Georg Kreis, Präsident der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR), interveniert beim Schweizer Presserat gegen Ringier-Publizist Frank A. Meyer, Rufname "FAM". Auslöser des Streits ist laut der Zeitung "Der Sonntag" eine Kopftuch-Kolumne von Ende August im Sonntagsblick. Darin zitiert FAM aus einem Communiqué der EKR. Kreis moniert, dass seine Aussage "verkürzt" wiedergegeben und daraus eine "unzutreffende und als Vorwurf gemeinte Feststellung" gemacht worden sei. Gegenüber dem "Sonntag" bestätigt Kreis, dass er am 30. September ein Schreiben an den Presserat geschickt hat.
Im erwähnten Communiqué äusserte sich die Rassismuskommission zur Empfehlung des St. Galler Erziehungssrats, in den Schulen das Kopftuch zu verbieten. Die EKR hielt fest, dass das Kopftuchverbot ein Angriff auf ein "für die betroffenen Frauen verbindliches religiöses Gebot" sei. Sonntagsblick-Kolumnist Meyer zitierte diese Aussage, allerdings ohne das Wort "betroffenen". Er soll sich dabei auf einen Bericht in der NZZ abgestützt haben. FAM schrieb maliziös, der EKR komme das Verdienst zu, offiziell festgestellt zu haben, dass das Kopftuch "ein für die Frauen verbindliches religiöses Gebot" sei. "Das ist eine Unterstellung", konterte Kreis. Er forderte eine Berichtigung im "Sonntagsblick". Diese war offenbar auf der Leserbriefseite eingeplant, wurde dann aber im letzten Moment aus dem Blatt gekippt. Jetzt geht der publizistische Kopftuch-Streit in die presserechtliche Nachbearbeitung: Kreis will vom Presserat wissen, ob der "Sonntagsblick" und FAM für eine Berichtigung hätten Hand bieten müssen.