Die Mediengewerkschaften Syndicom und Impressum beäugen die Zusammenlegung des Zeitschriftengeschäfts von Ringier und Axel Springer kritisch. Beide fürchten, dass Magazin-Titel und damit Arbeitsplätze verschwinden werden. Impressum forderte die Weko auf, den Zusammenschluss genau unter die Lupe zu nehmen.
"Bislang hat die Weko alle Medienzusammenschlüsse in der Schweiz durchgewunken. Impressum hofft, dass die Weko diesmal genauer hinschaut", sagte Impressum-
Geschäftsführer Urs Thalmann der Nachrichtenagentur sda am Donnerstag. Die Wettbewerbskommission solle dabei auch die marktbeherrschende Stellung des Joint Ventures von Ringier und Axel Springer im Bereich der selbständigerwerbenden freien Medienschaffenden prüfen, schreibt Impressum in einer Mitteilung. Es sei zu befürchten, dass wegen der Konzentration viele Freie ihr Brot verlieren würden, sagte Thalmann.
Magazin-Sterben
Impressum wie Syndicom fürchten auch um die publizistische Vielfalt in der Schweiz. In den gleich lautenden Communiqués der beiden Unternehmen werde die
Frage nicht beantwortet, wie die Vielfalt erhalten werde, schreibt Impressum. Eine solche setzte die Besitzervielfalt voraus. "Der reine Erhalt von verschiedenen Titeln garantiert noch nicht, dass die Redaktionen voneinander unabhängig arbeiten können." Syndicom erwartet ein Magazin-Sterben: "Mittelfristig wird vermutlich der eine oder andere Titel verschwinden", sagte Sprecher Bruno Schmucki der sda. Die Medienvielfalt werde wieder einmal unter dem Konglomerat leiden.
Konzentrierter Markt
Der Zusammenschluss sei "eine weitere Konzentration auf einem bereits konzentrierten Markt". Der Kuchen werde immer zwischen weniger Verlegern verteilt. "Es wird immer einfacher, Synergien zu nutzen", sagte Schmucki. Auf lange Sicht heraus bedeute dies meistens auch einen Stellenabbau. "Ich habe noch wenig Konzentrationen ohne personelle Veränderungen erlebt."
"Die Versuchung, zur Gewinnsteigerung alle Medien mit weniger Arbeitskräften zu füllen, ist bei diesem Joint Venture nicht ausgeschlossen", schrieb auch Impressum. Die Gewerkschaft verlangte verbindliche Arbeitsplatzgarantien. Thalmann kritisierte, dass weder Axel Springer noch Ringier am Donnerstag sich zu den Arbeitsplätzen äusserten.
Doch kommt es zu einem Stellenabbau, sind die Gewerkschafter grösstenteils machtlos: "Operativ können wir nicht eingreifen, wir sind schliesslich nur die Feuerwehr, welche die Sozialpläne macht", sagte Schmucki. Positiv bewertete er an der neusten Zusammenarbeit zwischen den beiden Verlagshäusern nur, dass kurzfristig keine Konsequenzen für die Redaktionen zu erwarten seien.
Ringier Romandie: "Kommerzielle Chance"
Durchwegs positiver bewertet Daniel Pillard, Direktor von Ringier Romandie, die Gründung eines Ringier-Axel Springer-Gemeinschaftsunternehmens. "Das ist eine gute Sache für die Westschweizer Zeitschriftentitel", sagte er.
Laut Pillard verspricht das Joint Venture eine "kommerzielle Chance". "Le Temps" und "L'Hebdo" könnten somit auf dem Anzeigenmarkt von den Deutschschweizer Wirtschaftsblättern "Bilanz" und "Handelszeitung" profitieren. Ein Unternehmen könne künftig eine nationale Werbekampagne fahren. In diesem Sinne sei "L'Hebdo" nicht mehr isoliert.
Auch redaktionelle Synergien seien möglich, sagte Pillard auf Anfrage. "'L'Hebdo' könnte beispielsweise die '300 reichsten Schweizer' in Zusammenarbeit mit der 'Bilanz' herausgeben." Dies eröffne neue Perspektiven. Auch "Le Temps" könnte laut Pillard künftig intensiv mit den beiden Wirtschaftsmagazinen kooperieren. (sda)