Die Mediengewerkschaften zeigen sich besorgt über die angekündigte Übernahme der Westschweizer Edipresse durch die Zürcher Tamedia. Sie fordern, den in der Westschweiz geltenden Gesamtarbeitsvertrag (GAV) zu respektieren. Im Auge hat die Gewerkschaft Impressum dabei insbesondere die angekündigte Fusion der beiden welschen Pendlerzeitungen "Le Matin bleu" und "20 Minutes". Bevor hier Arbeitsplätze abgebaut würden, hätten die Mitarbeitenden laut GAV das Recht auf eine Mitwirkung, sagte Impressum-Geschäftsführer Urs Thalmann auf Anfrage.
Mögliche Arbeitsplatzverluste sind aber nur eine Sorge Thalmanns. Einmal mehr werde auch die Medienvielfalt - und zwar in einem nie dagewesenen Mass - auf den Prüfstand gestellt. Vom Tamedia-Konzern erwartet Thalmann, dass er der Sozialpartnerschaft Genüge tut. Im Gegensatz zu Edipresse habe der Zürcher Verlag sich zuletzt nämlich weder auf Verbands- noch auf Unternehmensebene darum bemüht.
Ungesundes Monopol
Die Mediengewerkschaft Comedia lehnt die Übernahme rundweg ab. Das entstehende Medien- und Druckmonopol sei ungesund, sagte Co-Präsident Roland Kreuzer auf Anfrage. Comedia werde das Gespräch mit Tamedia und Edipresse suchen. Der Wettbewerbskommission und dem Bundesrat werde man empfehlen, die Fusion abzulehnen. Es gehe auch nicht an, dass ein derart monopolistischer Konzern noch über die Gebühren für Radio und TV subventioniert werde. Aus regionalpolitischer Sicht bereitet Kreuzer die Übernahme ebenfalls Bauchschmerzen: Es entstehe ein Konzern, der von Zürich aus bis in die Romandie hinein Einfluss ausüben werde.