Gewinnsprung auf 112.4 Mio.

Tamedia - Prüft Verkauf von Radio und TV-Geschäft.

Das Verlagshaus Tamedia sieht nach der Fusion mit dem Westschweizer Medienunternehmen Edipresse sein Kerngeschäft bei Zeitungen, Zeitschriften und Online. Denn Verwaltungsratspräsident Pietro Supino befürchtet, dass die Radio- und TV-Stationen keine neuen Konzessionen bekommen werden.

Entscheid über TV-Verkauf bis Ende Jahr

Tamedia will deshalb bis Ende Jahr über einen Verkauf entscheiden. (Siehe dazu auch: "persoenlich.com"). Laut Supino und Unternehmensleiter Marin Kall sollen Radio24, CapitalFM, TeleBärn und TeleZüri sowie der Beteiligung von Edipresse an La Télé verkauft werden. Bei La Télé werde man mit den anderen Eigentümern nach einer Lösung suchen, die das Projekt nicht gefährde, sagte Supino. Bei den anderen Radio- und TV- Stationen sei es vor allem in der Region Zürich wahrscheinlich, dass sie bei der nächsten Konzessionsvergabe leer ausgehen werden.

90 Mio. an Schawinski haben sich nicht ausbezahlt

Sie würden dafür bestraft, dass sie Tamedia gehörten. Deren Stellung auf dem Medienmarkt in dieser Region werde wohl nach der Übernahme der Zürcher Landzeitungen als marktbeherrschend angesehen werden, sagte Pietro Supino. Kall erklärte ausserdem, die 90 Mio. Franken, die Tamedia Roger Schawinski für Radio24 und TeleZüri gezahlt hat, hätten sich nicht ausgezahlt. Supino zeigte sich trotzdem zuversichtlich, die Radio- und TV-Gesellschaft verkaufen zu können.

Will Automobil Revue abstossen

Es sei wie beim Verkauf einer Liebhaber-Liegenschaft: Man müsse den richtigen Interessenten finden. Ringier-Sprecher Edi Estermann bestätigte am Dienstag bereits, der Kauf von TeleZüri sei für den Medienkonzern "eine Option". Ebenfalls abstossen will Tamedia die "Automobil Revue" sowie die "Revue Automobile". Laut Kall ist es für einen ausschliesslich auf die Schweiz beschränkten Anbieter einer Automobilzeitschrift fast aussichtslos, mit der ausländischen Konkurrenz mitzuhalten.

Konzerngewinn mehr als verdoppelt

Trotz der Verkaufsgedanken im Bereich Radio und TV war das Geschäftsjahr 2010 für Tamedia sehr erfolgreich. Der Konzerngewinn kletterte um satte 137,3 Prozent auf 110,8 Mio. Franken. Der Umsatz der Tamedia-Gruppe stieg um 7,6 Prozent auf 806,3 Mio. Franken.

Das Betriebsergebnis auf Stufe EBIT nahm um 121,5 Prozent auf 112,4 Mio. Fr. zu, die entsprechende Marge verbesserte sich von 6,8 Prozent auf 13,9 Prozent. Der Verwaltungsrat schlägt der Generalversammlung die Ausschüttung einer von 1.50 Fr. auf 4.00 Fr. erhöhten Dividende vor.

Der Gewinnsprung sei dank anziehender Werbeumsätzen und Einsparungen von insgesamt etwa 80 Mio. Franken - vor allem bei den Zeitungen - gelungen, sagte Kall. Alle Unternehmensbereiche erreichten auf Stufe EBIT schwarze Zahlen. Das gelte "seit Menschengedenken zum ersten Mal" auch für die Zeitung "Der Bund".

Karl Dietrich Seikel steht nicht zur Wiederwahl

An der kommenden Generalversammlung vom 6. Mai wird sich Karl Dietrich Seikel nicht mehr für eine Wiederwahl in den Verwaltungsrat zur Verfügung stellen. An seiner Stelle wird Tibère Adler, Geschäftsführer der Groupe Edipresse, zur Neuwahl in das Gremium vorgeschlagen. (sda)