Peter Rothenbühler macht sich Sorgen um den Blick: "Ich habe das Gefühl, dass es Zeitungen wie den Blick bald nicht mehr geben wird, wenn wir nicht Gas geben", schreibt er in einem offenen Brief in der Weltwoche an Verleger Michael Ringier. Wenn es dem Blick, für Rothenbühler immer noch die beste Zeitungsmarke des Landes, nicht gelinge wieder voll anzugreifen, sieht der Chefredaktor von Le Matin schwarz für das Boulevardblatt.
Der Blick sei dünn geworden, physisch und inhaltlich. "Lass ihn nicht an Magersucht sterben", fordert Rothenbühler und rät Ringier: "Du solltest einfach mehr reinbuttern! Mehr Seiten, mehr gute Storys, mehr Service, kurz: mehr Kalorien!" Auch in vernachlässigte Bereiche wie Distribution und Marketing müsste Ringier wieder voll investieren und endlich in die Line Extension, wie dies die deutsche Boulevardzeitung Bild vormache.
Er wolle die Blick-Macher nicht belehren, schreibt Rothenbühler, und kanns dann doch nicht lassen, den Zeitungsmachern auf die Finger zu klopfen: Man könne nicht ungestraft über Monate das Asyl- und das Ausländergesetz bekämpfen, um dann feststellen zu müssen, dass vermutlich hundert Prozent der Blick-Leser für ebendiese Gesetze votiert haben.