Gibt "Black 'n' Blond" noch ein halbes Jahr Zeit

Gabriela Amgarten - SF-Unterhaltungschefin verteidigt Programm an Podiumsdiskussion.

Nach der zum Teil vernichtenden Kritik an den neuen Unterhaltungsformaten des Schweizer Fernsehen in den vergangenen Monaten lud die Radio und Fernsehgenossenschaft Zürich- Schaffhausen die Öffentlichkeit zu einer Podiumsveranstaltung ins Forum St.Peter in Zürich ein. Am Montagabend, am 9. Januar 06 wurde vor allem das umstrittene Format Black’n’Blond unter die Lupe genommen. Unter dem Titel Unterhaltung am Schweizer Fernsehen: „Wann ist fertig lustig?“ diskutierten Gabriele Amgarten, Unterhaltungschefin des Schweizer Fernsehens mit Othmar Kempf, Präsident des Publikumsrates und Prof. Dr. Kurt Imhof,Medienexperte der Uni Zürich.

Gabriela Amgarten war gegen eine schnelles "Fertig lustig". Sie möchte dem Team ein halbes Jahr Zeit geben, um sich zu verbessern. Nach Ihren Ausführungen hatten Night Late Shows stets Anfangsschwierigkeiten. Dass aber so lange zugewartet werden muss, bis eine ungenügende Sendung abgesetzt wird, wurde vom vielen nicht verstanden. Schliesslich ist noch keine Besserung in Sicht. Die Einschaltquote sacken laufend ab und nach Kurt Imhof verliert das Schweizer Fernsehen sogar durch dieses peinliche Produkt an Reputation. Vor allem muss am Potential der Moderatoren gezweifelt werden.

Auch Roger Schawinski versuchte bei SAT.1 Anke Engelke und Brigitte Rust nach einer missglückten Startphase die Durststrecke zu verlängern. Er entschloss sich dann doch noch- trotz des Vorschusskredits- die Uebungen vorzeitig abzublasen. Er hatte eingesehen, dass es so nicht weitergehen kann. Nach der Diskussion vom 9.1. darf bezweifelt werden, dass die Unterhaltungschefin einen analogen Führungsentscheid treffen wird. Amgarten argumentierte, die Sendung "Black 'n' Blond" wolle als Zielgruppe bewusst ein junges Publikum und man könne nicht zusehen, wie die Jugendlichen zum RTL abwandern. Das Format sei nicht für die ältere Generation gedacht.

Hierauf zeigte sich, dass gar nicht nachgewiesen werden kann, dass die Jugendlichen diese Sendung überhaupt schätzen. Kurt Imhof erntete mit seinem Spruch spontanen Applaus: "Es gibt gar keine Zielgruppe in dieser Dummheit!" Darauf konterte die Unterhaltungschefin: "Sind damit alle blöd, die zuschauen?" Gabriela Amgarten wollte Imhofs These nicht teilen. Für Kurt Imhof sollte das Schweizer Fernsehen innovativer werden und vor allem die Reputationsschäden ernst nehmen. Für den Publizistikwissenschafter darf die Qualität der Informations- als auch der Unterhaltungssendungen nicht unterschätzt werden. Das Schweizer Fernsehen müsste das Gewicht vermehrt auf die Unverwechselbarkeit legen und nicht auf einen billigen Einheitsbrei.

Quintessenz der lebendigen Diskussion im Forum St. Peter: Unterhaltung darf entspannen. Unterhaltung muss aber nicht Verblödung sein. Der Verlust der Unverwechselbarkeit beim Schweizer Fernsehen wäre nach Kurt Imhof schlimmer als der Verlust des jungen Publikums.