Google bestimmt Journalismus

ZHAW/Bernet - Dritte Studie zur Internet-Nutzung von Schweizer Medienschaffenden.

Die Arbeitsweise von Journalisten hat sich verändert. Informierten sich Schweizer Journalisten früher noch überwiegend in Tageszeitungen oder durch persönliche Gespräche, so nutzen sie heute vorwiegend Webseiten. Ohne die Suchmaschine Google geht bei Schweizer Journalisten gar nichts. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Institut für Angewandte Medienwissenschaft (IAM) der Zürcher Hochschule Winterthur und der Agentur Bernet PR Deutschschweiz. An der Befragung haben rund 700 Journalisten teilgenommen.

Zu den weiteren Resultaten: Dass das Internet inzwischen eine der wichtigsten Quellen für die Informationsbeschaffung geworden ist, zeigen die erhobenen Zahlen sehr deutlich. 95,4 Prozent der befragten Medienschaffenden gaben an, das Internet sei das wichtigstes Arbeitsinstrument. Im Jahr 2002 waren es bei einer gleichen Befragung erst 87,5 Prozent. Im Netz will man in erster Linie Informationen finden oder Fakten überprüfen.

Immerhin drei Viertel der Befragten suchen im Internet nach Ideen für eigene Artikel. Jeder zweite nutzt es für den Vergleich mit anderen Medien. Mehr als jeder zweite hat das Internet schon als Quelle für eine eigene Arbeit genutzt. 2002 waren es noch rund 40 Prozent. Interessant ist, dass anderseits auch der Anteil jener gestiegen ist, die dies entschieden ablehnen: 2002 waren es 17 Prozent, 2009 bereits 24,1 Prozent.

Im Zentrum der Internet-Nutzung stehen E-Mail und Suchmaschinen - und hier schwingt mit 99,8 Prozent der Nennungen Google weit obenaus. Nur rund jeder vierte Medienschaffende nutzt Search.ch und nicht einmal jeder zehnte sucht via Yahoo. E-Mail ist am beliebtesten, um Mitteilungen, Einladungen, Dokumentationen und dergleichen zu erhalten. Nach E-Mail und Suchmaschinen sind Internet-Seiten von Verwaltungen und Online-Medienausgaben wichtige Arbeitsinstrumente. Auf Platz fünf liegt die Online-Enzyklopädie Wikipedia, gefolgt von Webseiten von Firmen, gebührenpflichtigen Datenbanken und News-Portalen. Deutlich geringere Bedeutung haben Soziale Netzwerke, nach denen erstmals gefragt wurde. Trotzdem: Bereits über 40 Prozent der Schweizer Medienschaffenden nutzen Plattformen wie Facebook für ihre Arbeit. Rückläufig ist die Bedeutung von Weblogs. Nur jeder dritte Medienschaffende liest Blog-Beiträge.

In Sachen Glaubwürdigkeit geniessen die Websites von Verwaltungen am meisten Kredit: 90,5 Prozent der Befragten attestieren ihnen ein hohe bis sehr hohe Glaubwürdigkeit. Deutlich weniger vertrauen sie beispielsweise den Internetseiten von Firmen (66,6 Prozent). Immerhin mehr als jeder zweite (55,3 Prozent) hält Wikipedia für glaubwürdig oder sehr glaubwürdig. Auch bei der Internet-Nutzung gilt indes für die Medienschaffenden: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Rund 90 Prozent der Befragten gaben an, Informationen aus dem Netz noch zu überprüfen.

Suchen die Medienschaffenden nach News, so klicken sie am liebsten die Online-Ausgabe des "Tages-Anzeiger" an. Auf die Ränge zwei bis sechs geschafft haben es "nzz.ch", "20min.ch", "GoogleNews", die Nachrichtenagentur SDA und der kostenpflichtige Schweizerische Mediendienst SMD. Während das Internet einerseits den Journalisten die Arbeit erleichtert, erhöht sich dadurch anderseits auch der Aktualitätsdruck, und das Internet beeinflusst den Journalismus immer mehr. Darin sind sich die Befragten weitgehend einig. Die Mehrheit ist der Ansicht, die Interpretation von Nachrichten werde damit wichtiger als deren Beschaffung. (sda/per)