Gratiszeitung bloss ein Übergangsmedium

Studie - Kaufzeitungen an Misere selber schuld.

Schlechte Nachrichten für die Verlagshäuser, die munter weiter Gratiszeitungen auf den Markt werfen: Eine soeben publizierte Studie von Prof. Michael Haller zur Marktentwicklung im europäischen Pressemarkt kommt zum Schluss, dass das Gratisblatt nicht mehr als eine Übergangserscheinung ist. Seine Kernzielgruppe – die 20- bis 35-jährigen Städter -- werde ihre Informationbedürfnis während der morgendlichen Fahrt zum Arbeitsplatz längerfristig mit Mobile-Angeboten stillen -- ein Nutzungsverhalten, das der Gratiszeitung ihre Existenzgrundlage entziehen werde.

Die Erhebung räumt auch auf mit der weit verbreiteten Ansicht, Gratiszeitungen seien die Nachfolger von Kaufzeitungen, da die jüngere Generation für den Informationszugang nicht mehr zu bezahlen bereit sei. Die Krise der Kaufzeitungen ist aus Sicht der Wissenschaftler vielmehr hausgemacht: So würden diese Leistungen anbieten, die aus Sicht der jungen Leser irrelevant seien. Befragungen in der Zielgruppe der Unter-20-Jährigen ergaben, dass es teils am Themenangebot der Zeitungen, teils an der Aufbereitung, vor allem aber an der Sprache liege, dass die jungen Erwachsenen um Abonnementszeitungen meist einen Bogen machen.

Was auf den ersten Blick paradox erscheint: Gut gemachte Gratiszeitungen können sich gar positiv auf die Kaufzeitungen auswirken. So verschaffen handwerklich überzeugende Gratiszeitungen den Kaufzeitungen junge Leser, da letztere die Reputation der gesamten Gattung Tageszeitung erhöhen. Billige Low-Budget-Blätter dagegen verderben jungen Lesern die Lust auf Kaufzeitungen.

Viele jüngere Leser sparen sich das Kaufen und Lesen von Abo-Zeitungen laut Studie gleichsam auf für eine spätere Lebensphase, in der die Fastfood-Medien ihre Bedürfnisse nicht mehr stillen. Wenn die Familiengründung im Zentrum steht, steigt die Nachfrage nach vertiefter Information. Im Alter von 35 bis 40 Jahren entscheiden sich indessen vor allem Personen dafür, eine Kaufzeitung zu abonnieren, die in einem Haushalt mit abonnierter Zeitung aufgewachsen sind und schon im Schulalter mit dem Zeitungslesen vertraut waren. Der Studienverantwortliche Michael Haller plädiert deshalb dafür, dass in den Schulen gelernt wird, wie Zeitungen und Zeitschriften zu lesen sind.