Griff nach Wall Street Journal

Murdoch - Familieneigner lehnen Milliardenkauf ab

Medienmogul Rupert Murdoch will den US-Konzern Dow Jones und damit auch die einflussreiche Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal" kaufen. Murdochs Mediengruppe News Corp kündigte am Dienstag (Ortszeit) ein "freundliches" Gebot von 5 Mrd. Dollar (6,05 Mrd. Franken) an. Die Familie Bancroft, die die Mehrheit der Stimmrechte (64 Prozent) bei Dow Jones hält, lehnt die Offerte laut Angaben von Dow Jones aber ab.

Murdoch sagte in seinem eigenen US-Sender Fox News, das "Wall Street Journal" sei "die beste Zeitung in Amerika, eine der besten weltweit". Bei der Zeitung arbeiteten "grossartige Journalisten", die eine weit grössere Zahl von Lesern verdienten, schmeichelte er. "Da gibt es noch eine Menge zu tun." Das wichtigste sei, noch mehr zahlende Kunden für den Internet-Auftritt des Blatts zu finden.

Branchenkenner sagten, für News Corp wäre der Kauf optimal. Dow Jones könne Murdochs neuem Kanal für Finanznews, der am Jahresende starten soll, ständig mit aktuellsten Informationen beliefern. Dow Jones hat aber noch einen bis 2012 laufenden Vertrag mit CNBC. Ob oder wie dieser gelöst werden könnte, ist unklar.

Das "Wall Street Journal" sei für Murdoch eine Siegestrophäe: "Er liebt es, solche Dinge zu besitzen", sagte Rick Edmonds vom Poynter Institute für Medienstudien. Bedenken, mit einem Einstieg der News Corp -- bekannt für Zeitungen und Sender im Boulevard-Stil -- könnte die Qualität des "Wall Street Journal" leiden, teilte er nicht.

Besorgte Journalisten

Journalisten des "Wall Street Journal" äusserten sich indes besorgt. "Murdoch hat bereits bei anderen Projekten gezeigt, dass er bereit ist, Qualität und Unabhängigkeit aufzugeben", hiess es in einer Stellungnahme der Arbeitnehmervertretung. "Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass er Dow Jones oder das Wall Street Journal anders behandeln wird."