Günter Heuberger. "Wir sind Spezialisten für Mantelkonzepte"

- Interview mit dem Radio Top-Geschäftsführer

Vergleicht man die Hörerzahlen des 1. Semesters 2008 mit der Vorjahresperiode, hat Radio Top Hörer verloren. Damit befindet sich der Sender aber in "guter" Gesellschaft. Fast alle Privatradios kämpfen mit dem gleichen Problem. Top-Geschäftsführer Günter Heuberger nimmt Stellung zur Entwicklung seines Senders.

Herr Heuberger, warum hat Radio Top gegenüber dem Vorjahr Hörer verloren?

Wir haben gegenüber dem letzten Halbjahr markant zugelegt -- trotz des Abganges unseres besten Moderators Reto Scherrer -- und freuen uns auch über die höchste Hördauer, die wir je hatten.

Die Privatradios haben insgesamt an Reichweite eingebüsst. Im Gegensatz dazu haben die SRG-Sender zulegen können. Wie erklären Sie sich diese Schere?

Die Resultate der Hörerforschung sind für mich zu wenig signifikant, als dass ich einen langfristigen Trend erkennen kann.

Experten wie Bendicht Luginbühl oder der Medienforscher Mirko Marr sind überzeugt, dass die Informationsleistung im Radio für die Senderprofilierung wieder an Bedeutung gewinnt. Teilen Sie diese Meinung?

Ja klar, darum sind wir mit unserem Informationsprogramm auf guten Wegen.

Wäre es vorstellbar, dass die Privaten für gewisse Informationsleistungen Kooperationen eingehen -- quasi eine Art Mantelredaktion entstünde?

Wir sind mit einer Mantelredaktion und den Fensterprogrammen die Spezialisten für solche Konzepte und sind gerne bereit beim Aufbau zu helfen. Ich kann mir auch gemeinsame Ausbildungs- und Talentpools vorstellen.

Denken Sie es mangelt auch am Interesse der Verleger an qualitativ gutem Radio, weil sie lieber über noch mehr Printprodukte nachdenken?

Die Verleger möchten auch qualitativ gute Leistungen erbringen, aber sie haben in ihrem Kerngeschäft Zeitungen je länger je mehr Probleme. Von daher bin ich froh, dass wir uns auf unsere Kernkompetenz Privatradio und Regionalfernsehen konzentrieren können.

Wohin muss sich das Medium Radio bewegen, um auch in Zukunft bestehen zu können?

Wir haben in unseren Konzessionsgesuchen für Radio und Fernsehen das Schwergewicht auf die Bildung von regionalen Communities gelegt. Gelingt uns dies, haben wir eine gute Zukunft!

(Interview: Stefan Wyss)