Claudio Zuccolini, Sie stehen nicht nur als Stand-up-Comedian, sondern neu auch als Moderator im Rampenlicht. Was macht mehr Spass?
Ich feile seit Jahren an meiner Bühnenkomiker-Karriere. Der Applaus des Publikums nach einer gelungenen Pointe ist etwas vom Schönsten. Das unmittelbare, positive Feedback motiviert und freut mich sehr. Aber auch die Moderation von "Wer wird Millionär?" möchte ich nicht missen. Das Sendeformat ist genial. Im Moment geniesse ich also beides.
"Wer wird Millionär?" gibt es bereits in zahlreichen anderen Ländern. Hier in der Schweiz kennt man das Format vor allem von RTL mit Günther Jauch. Wie schwierig ist es, sich neben ihm zu etablieren?
Es ist typisch schweizerisch, sich immer mit den anderen zu vergleichen. Ich kenne das aus der Comedy, wo ich vielfach auf Michael Mittermeier angesprochen werde. Bei "Wer wird Millionär?" konzentriere ich mich voll auf mich. Ich will hier in der Schweiz mit meiner Art diese Sendung spannend herüberbringen. Ich kann mich nicht mit Günther Jauch vergleichen. Er hat bereits 1'000 Sendungen hinter sich und gilt als einer der profiliertesten Moderatoren Deutschlands. Ich moderierte gerade meine zweite Sendung und hoffe, dass ich die Chane erhalte, mich noch weiter zu entwickeln.
Günther Jauch weiss enorm viel. In der neuen Sendung "Fünf gegen Jauch" tritt er mit seinem Quiz-Wissen gegen eine Gruppe von Leuten an. Wie gescheit sind Sie?
Ich lese sehr viel und bin über das aktuelle (Welt-)Geschehen informiert. Gut bin ich in Sport-, Film-, Musik- und Klatsch-und-Tratsch-Fragen. Aus der Schulzeit blieb in Punkto Geschichte und Naturwissenschaften eher wenig hängen. Es interessierte mich nicht wirklich. Ganz prinzipiell bleiben mir unwichtige Dinge unendlich lang im Gedächtnis. Was ich unbedingt behalten will, vergesse ich leider schnell wieder. Wahrscheinlich wurde mir ein Anschluss im Kopf falsch gesteckt. (Lacht).
In der Schweiz kennt man Sie fast besser als Frau: Im Maggi-Spot spielen Sie das Hausmütterchen Margrit. Haben Sie deswegen kein Glaubwürdigkeitsproblem bei den intelligenten Kandidaten des Wissensquiz?
Nein, sicher nicht. Das sind zwei komplett verschiedene Sachen, die man nicht miteinander mischen darf. Natürlich gibt es Menschen, die finden meinen Werbe-Auftritt für Maggi dämlich. Ich selber finde es ein Privileg, verschiedene Sachen nebeneinander machen zu dürfen.
Im Gegensatz zu Günther Jauch (am 5.12. 2011 hatte er 6,81 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 20,7 Prozent) warten Sie noch auf Traumquoten. In Ihren beiden Sendungen haben jeweils 250'000 Zuschauer reingezappt. Wann sind Sie zufrieden?
15 bis 20 Prozent wären natürlich schon traumhaft. Dafür muss unser Sender bei den Schweizern aber noch tiefer verankert werden. In den Städten kennt man 3+ schon recht gut. Auf dem Land besteht noch grosses Verbesserungspotential. Viele kennen uns nicht, weil unser Sendeplatz auf der Fernbedienung so weit hinten liegt. Per Zufall wählt man uns daher nicht an und das macht es schwierig.
Was braucht es noch, damit Ihre Sendung durchstartet?
Durchhaltewillen. Ich hoffe, wir kriegen die Chance, die Sendung weiter zu machen. Im Moment sind drei Folgen produziert. Wenn die Verantwortlichen zufrieden sind und auch eine Entwicklung bei der Zuschauerquote sichtbar ist, drehen wir weitere. Das wäre toll. Die Sendung ist wirklich gut, wir haben viele Schweizer Fragen eingebaut und es gibt eigentlich keinen Grund uns nicht zu schauen, es sei denn, man findet den Moderatoren schlecht. (Lacht wieder).
Sie moderierten vor Jahren bei Tele24 "Inside". Was meint Roger Schawinski zu Ihrem Fernseh-Comeback?
Wir sehen uns sporadisch. Ich freue mich immer und er macht zumindest den Anschein... Wie ihm meine Sendung gefällt, sagte er mir bis jetzt noch nicht.
Dafür waren Sie bei der letzten "Wetten, dass..?"-Sendung von Thomas Gottschalk ein Thema. Michelle Hunziker kennt Sie nicht, Günther Jauch beschreibt Sie als "den Kleinen" und Thomas Gottschalk betitelt Sie als "Anfänger". Nicht gerade das Feedback, das man sich wünscht?
Was sie sagten, war nicht so wichtig. Viel wichtiger war, dass sie mich und die Sendung erwähnten. Stellen Sie sich vor: die beiden grössten Moderatoren im deutschsprachigen Raum sprachen vor einem 15-Millionenpublikum von mir. Das ist doch Wahnsinn einfach genial. Der Rest ist mir völlig egal.
Sie nehmen die Sendung im selben Studio auf wie Günther Jauch und haben ihn auch schon getroffen. Welchen Eindruck hat er bei Ihnen hinterlassen?
Er war sehr anständig, etwas reserviert und sehr formell. So ist er mit niemandem per Du. Ich selbst nahm mich absichtlich etwas zurück. Schliesslich hatte ich auch etwas Ehrfurcht vor ihm und seinem Leistungsausweis.
Welchen Tipp gab er Ihnen für die Sendung?
Er zeigte mir auf, dass die Schwierigkeit beim Timing liegt. Das merkte ich bereits auch selbst. Bei der ersten Sendung waren die Gespräche mit den Kandidaten zu lang. Wir mussten viel kürzen und dadurch kam das Ganze etwas abgehackt daher. Gestern hatte ich bereits ein besseres Gespür für die Länge der Dialoge.
Und sagte er Ihnen auch, wie es ist, wenn man dank "Wer wird Millionär?" selbst zum Millionären wird? Man munkelt, Günther Jauch bekomme pro Sendung 100'000 Euro...
So viel ist es bei mir natürlich nicht. Aber Geld kann man immer gebrauchen. Ich habe soeben mit meiner Familie ein neues Haus in der Nähe von Zürich bezogen. Mit der Million würden wir wohl noch einen Stock höher bauen. Aber vorerst bin ich schon zufrieden, wenn "Wer wird Millionär?" in der Schweiz voll abräumt oder wenigstens ein bisschen.