Bundespräsident Guy Parmelin unterstützt die Schweizer Medienbranche in ihrem Vorhaben, das Vertrauen der Öffentlichkeit im Umgang mit künstlicher Intelligenz (KI) zu stärken. Eine Demokratie brauche verlässliche Informationen, betonte er am Donnerstag am SwissMediaForum in Luzern.
Am Morgen stellte der Verlegerverband Schweizer Medien (VSM) einen Verhaltenskodex für den verantwortungsvollen Umgang mit KI vor. Am Nachmittag erhielten die Medien an ihrem Kongress im KKL Luzern Rückendeckung vom Bundespräsidenten. Parmelin rief dazu auf, KI verantwortungsvoll und transparent einzusetzen.
«Ein transparenter und sorgfältiger Einsatz und Umgang mit KI dient letztlich auch ihrer eigenen Glaubwürdigkeit und schafft Vertrauen und Akzeptanz», erklärte Parmelin in der Eröffnungsrede des SwissMediaForums. «KI kann Ihnen Arbeit abnehmen, aber das Denken sollten Sie nicht vollständig der KI überlassen. Die natürliche Intelligenz ist immer noch das Beste», sagte Parmelin, das sage er aus eigener Erfahrung.
Parmelin, der bei der 15. Ausgabe erstmals am Medienkongress auftrat, unterstrich die Wichtigkeit der Medien in der Gesellschaft. «Eine Demokratie ist darauf angewiesen, dass Bürgerinnen und Bürger auf verlässliche Informationen zählen können», sagte der Romand, der direkt aus Rom und von seinem Besuch beim Papst anreiste.
Parmelin bekräftigte die Gefahr, die «Fake News» für die journalistische Glaubwürdigkeit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt darstellen. «Wenn KI klug eingesetzt wird, kann sie die Medien in ihrer Rolle als Pfeiler der Demokratie stärken», sagte der Bundespräsident.
Instrument der Selbstregulierung
Wann eine staatliche Regulierung der KI kommt und wie diese aussehen könnte, sei im Moment noch offen, erklärte Parmelin. Auf den Bund wollte die Schweizer Medienbranche nicht warten und reguliert sich deshalb im Zusammenhang mit KI künftig selbst (persoenlich.com berichtete).
Der breit abgestützte Verhaltenskodex, der auf einer Konvention des Europarats basiert, hält fest, dass Medienunternehmen und ihre Mitarbeitenden für die veröffentlichten redaktionellen Inhalte verantwortlich bleiben – unabhängig davon, ob diese von Menschen oder mit Hilfe von KI erstellt worden sind.
Die Medien verpflichten sich weiter, ihr Personal in KI-Fragen zu schulen und das Urheberrecht zu wahren. Zudem müssen sie Massnahmen ergreifen, um die Verbreitung von Falschinformationen zu verhindern. Sie müssen für den Datenschutz sorgen und die Öffentlichkeit transparent über den Einsatz von KI informieren.
Schwab und das intelligente Zeitalter
Parmelin war der Hauptredner am ersten Tag des SwissMediaForums, das die künstliche Intelligenz in den Fokus stellte. Zu Gast war auch der ehemalige WEF-Chef Klaus Schwab, der mit seiner im Herbst gegründeten Akademie die Menschen durch das «intelligente Zeitalter» begleiten will.
Wie Parmelin stufte auch Schwab die Rolle der Medien im KI-Zeitalter als wichtig ein. «Die Medien haben die Aufgabe, uns stets an unsere Menschlichkeit zu erinnern», so Schwab schon fast etwas philosophisch. In der Welt der KI müssten die Medien ethisch und moralisch dagegen halten.
Schwab widmet sich zwar neuen Projekten, «sein» Weltwirtschaftsforum lässt den 88-Jährigen aber nicht los. «Es braucht mehr denn je eine unabhängige Plattform wie das WEF», sagte er zu seinem Lebenswerk. «Deshalb kämpfe ich weiter für die Idee des Forums.» In seinem Büro am WEF-Hauptsitz in Cologny bei Genf sei er aber nie mehr gewesen, seit er vor einem Jahr zurückgetreten ist.
Schwab fordert langfristig auch eine neue Leitung für das WEF anstelle der beiden aktuellen Co-Leiter André Hoffmann und Larry Fink. Es brauche eine von der Wirtschaft unabhängige Person an der Spitze. Als mögliche Nachfolger sieht er auch Schweizer Persönlichkeiten. «Weshalb nicht ein ehemaliger Bundesrat», sagte Schwab.
«Toxische Kombination»
White-House-Korrespondentin Tamara Keith schilderte zuvor ihre Arbeit als Teil des Journalisten-Pools, der den US-Präsidenten begleitet. Donald Trump versuche sich vor unangenehmen Fragen zu drücken, erzählt sie über ihre Arbeit. Die Fragen müssen so gestellt werden, dass sie keinen Ausweg erlauben.
Obwohl das Weisse Haus die Medienfreiheit angreift, zeigte sich Keith überzeugt: «Der Präsident braucht uns». Dass er den Anfang des Irankriegs auf Social Media ankündigte und eine Woche lang sich den Fragen der konventionellen Medien nicht gestellt hat, habe sich negativ auf die Zustimmung ausgewirkt.
Die NPR-Journalistin zeigte sich besorgt um die Demokratie in den USA. Die Medien kennen wirtschaftliche Herausforderungen und Reichweitenprobleme. Ausserdem sind die Kanäle, über die sich ein Grossteil der Bevölkerung informiert, in den Händen von Trumps Freunden. Das sei eine «toxische Kombination». (sda/cbe)
Von Sandro Mühlebach (Keystone-SDA) und Sandra Porchet (persoenlich.com)
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07.05.2026 18:41 Uhr


