«Habemus Papam» – ein Blick auf Leo XIV.

Presseschau - Schweizer Medien sehen im ersten US-Papst einen Brückenbauer und möglichen Trump-Gegenspieler.

«Habemus Papam!» verkündete am Donnerstagabend der Kardinalprotodiakon von der Loggia des Petersdoms. Mit der Wahl des 69-jährigen Robert Francis Prevost, der sich den Namen Leo XIV. gibt, erhält die katholische Kirche erstmals in ihrer Geschichte einen Papst aus den USA.

Der Blick sieht im neuen Pontifex einen potenziellen «Anti-Trump»: «Als US-Amerikaner wird Leo XIV. zu Trumps grossem Gegenspieler», schreibt die Zeitung und erinnert daran, dass Kardinal Prevost noch im Februar einen Artikel geteilt hatte, der Trumps Vize J.D. Vance kritisierte: «J.D. Vance irrt sich: Jesus fordert uns nicht dazu auf, unsere Liebe zu anderen zu bewerten oder zu gewichten.»

Auch die Aargauer Zeitung beobachtet mit Spannung die künftige Beziehung zwischen dem neuen Papst und dem US-Präsidenten: «Man darf gespannt sein, wie sich diese ‹Cohabitation› entwickeln wird: Der Schrille und der Scheue.» Der Autor der Analyse verweist darauf, dass Leo XIV. in seiner ersten Ansprache bereits angedeutet habe, «wo er, wenn es beispielsweise um Migration geht, stehen wird. Die Kirche müsse auf der Seite der Schwachen stehen.»

SRF beschreibt den neuen Papst als «Brückenbauer und Friedensstifter», der für seine Kirche und für die Welt wirken wolle. Die Religionsredaktorin Judith Wipfler analysiert: «Mit diesem Ordensmann kommt jetzt einer, der es schaffen kann, die Flügel der römisch-katholischen Kirche zusammenzubringen.» Sie betont, dass der neue Papst sich in seinen ersten Worten zum synodalen Weg und Dialog bekannt habe, was die «Progressiven» erleichtere und freue.

Watson hebt die langjährige Missionstätigkeit von Prevost in Peru hervor, die ihn zu einem «halb-amerikanischen» Kandidaten mache, «der keine besonders grosse Nähe zum US-Präsidenten pflegt». Das Nachrichtenportal erinnert auch daran, dass Prevost in der Schweiz vor kurzem für Irritation sorgte, als der wegen Missbrauchsvorwürfen gerügte Abt von Saint-Maurice, Jean Scarcella, sein Amt wieder aufnahm – eine Entscheidung, für die letztlich Prevost als damaliger Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe verantwortlich war.

Die Wahl des ersten US-Amerikaners auf dem Papstthron mag für manche überraschend kommen, folgt aber einer gewissen Logik, wie die Aargauer Zeitung festhält: «Die klare Mehrheit der insgesamt 133 wahlberechtigten Kardinäle hatte (…) den Wunsch geäussert, den Kurs von Franziskus im Wesentlichen beizubehalten.» Der neue Papst scheint diese Erwartung zu erfüllen – und gleichzeitig als Vermittler zwischen progressiven und konservativen Kräften in der Kirche wirken zu können. (cbe)