Hacker wollen "Daten-Krieg" gegen Gegner ausweiten

Wikileaks - Diverse weitere Websites lahmgelegt.

Internet-Aktivisten haben ihren "Daten-Krieg" gegen Gegner der umstrittenen Enthüllungsplattform Wikileaks fortgesetzt. Sie legten weiter diverse Websites lahm, so auch jene der rechtskonservativen US-Politikerin Sarah Palin. Nach massiven Angriffen auf die Websites der Kreditkartenunternehmen Mastercard und Visa sowie auf das Portal von Postfinance griffen Unterstützer der Enthüllungsplattform Wikileaks nun auch die Homepage von Sarah Palin an.

Die Kreditkarten-Firmen und Postfinance hatten die Geschäftsbeziehungen mit Wikileaks abgebrochen. Die republikanische Politikerin Palin hatte Wikileaks- Gründer Julian Assange nach Medienberichten als "antiamerikanischen Agenten mit Blut an seinen Händen" bezeichnet und ihn mit Al-Kaida-Führer Osama bin Laden verglichen. Die Website von Palin war vorübergehend blockiert. Dem Sender ABC News zufolge waren auch die Kreditkartenkonten von Palin und ihrem Mann betroffen. Auch die Website des US-Senators Joe Lieberman geriet ins Visier von Cyber- Angreifern. Er hatte an Unternehmen appelliert, ihre technische Unterstützung für Wikileaks einzustellen.

Nächstes mögliches Opfer könnte der US-Internetriese Amazon sein. Die Hacker- Gruppe "Anonymous" rief am Donnerstag über den Kurznachrichtendienst Twitter dazu auf, im Rahmen der "Operation Payback" ("Operation Heimzahlen") das Portal von Amazon massenhaft anzugreifen und damit lahmzulegen. Vergangene Woche war Wikileaks von den Servern des Internetversandhauses verbannt worden. "Die Schlacht ist noch nicht vorbei", sagte ein Sprecher von "Anonymous" am Donnerstag in London dem britischen Sender BBC. "Wir wollen das Internet offen und frei für alle halten, so wie es immer war", sagte der Sprecher, der sich nur unter dem Pseudonym "Coldblood" (kaltblütig) zu erkennen gab. "Das ist ein Daten-Krieg", fügte er hinzu. Immer mehr Nutzer würden sich an sogenannten Botnetzen beteiligen, bei denen die geballte Rechenkraft von tausenden Computern für Angriffe auf Websites genutzt werden kann.

"Wir haben mit etwa 50 Nutzern angefangen", erklärte die Hacker-Gruppe zuvor in einem Internet-Chat mit der Nachrichtenagentur AFP. Mittlerweile zähle "Anonymous" bereits rund 4000 Unterstützer. Diese würden überall via Internet in aller Welt "rekrutiert", unter anderem in Foren, im sozialen Netzwerk Facebook und über den Kurznachrichtendienst Twitter. Mittlerweile wurden die Benutzerkonten der Hacker-Gruppe unter dem Namen "Operation Payback" bei Facebook und Twitter allerdings gelöscht.

Der Online-Zahlungsdienst PayPal, der seine Beziehungen zu Wikileaks auch eingestellt hatte, beschloss nach massiven Protesten der Wikileaks-Anhänger, eingefrorene Spenden an die Enthüllungsplattform auszuzahlen. Das Spendenkonto bleibe aber wegen Verletzung der Geschäftsbedingungen gesperrt, gab PayPal- Rechtsberater John Muller im Firmenblog bekannt. Die zu den wichtigsten Spendensammlern von Wikileaks zählende Wau-Holland-Stiftung in Kassel will nach eigenen Angaben rechtlich gegen die unangekündigte Sperrung ihres Kontos bei PayPal vorgehen. Die Stiftung bezifferte die Höhe der zeitweise eingefrorenen Spenden auf rund 10'000 Euro.

Angegriffen wurde nach der Verhaftung von Assange laut einem Pressebericht auch der Internet-Auftritt der schwedischen Regierung und des schwedischen Anwalts im Strafverfahren gegen Assange. Der 39-jährige Australier hatte sich am Dienstag in London gestellt und befindet sich seitdem in der britischen Hauptstadt in Haft. Ihm werden Sexualdelikte in Schweden zur Last gelegt. Über seine Auslieferung muss die britische Justiz entscheiden. (sda)