Seit Montag ist der Fernsehsender U1 TV nur noch regional analog zu empfangen. Cablecom verbreitet das Programm des Senders schweizweit nur noch digital ("persoenlich.com" berichtete). Dies bleibt für U1 TV nicht ohne Folgen. U1-Sprecher Peter Heeb erklärt im Interview mit "persoenlich.com", welche Massnahmen der Sender ergreifen musste, um zu überleben.
Herr Heeb, die Cablecom hat U1 TV aus dem analogen Netz gekippt. Welche unmittelbaren Konsequenzen hat dies?
Noch sind wir nicht ganz weg. Die Abschaltung betrifft nur das analoge Netz der Cablecom. Alle anderen Kabelnetzbetreiber senden U1 weiterhin analog. Damit erreichen wir noch die Hälfte der Haushalte -- also knapp eine Million. Wir können aber nicht mehr mit dem gleichen Personalbestand fortfahren.
Wie viele Stellen mussten Sie abbauen?
Wir mussten der Hälfte der Belegschaft kündigen. Betroffen sind insgesamt zwanzig Personen. Unser Programm soll aber beibehalten und sogar ausgebaut werden.
Konnte für die betroffenen Mitarbeiter eine Lösung gefunden werden?
Einen Teil der Mitarbeiter konnten wir beim Schweizer Sportfernsehen unterbringen. Die anderen Mitarbeiter können sich während der dreimonatigen Kündigungsfrist nach einem neuen Job umsehen -- sofern wir für sie keine interne Lösung finden.
Das Schweizer Sportfernsehen (SSF) wechselte zu Star TV. Gab es keine Verträge, welche die Investoren an U1 gebunden hätten?
Doch. Aber wir hielten es aus werbetechnischen Gründen für besser, wenn das SSF im analogen Netz der Cablecom bleibt. Deshalb haben wir einvernehmlich entschieden, dass das Sportfernsehen auf Star TV gesendet werden soll. U1 bleibt aber nach wie vor im Verwaltungsrat des SSFs.
Wie wahrscheinlich ist es, dass der Sender geschlossen wird?
Wir werden alle Möglichkeiten ausschöpfen, die wir haben. Aufgeben ist keine Option.
Auch nicht, wenn das Bundesverwaltungsgericht der Abschaltung im Analognetz definitiv zustimmt?
Nein, auch dann nicht. In vier, fünf Jahren werden ohnehin alle Sender digital verbreitet. Bis dahin gilt es für U1, eine Durststrecke zu überbrücken. Wobei ich davon überzeugt bin, dass wir das schaffen werden -- wenn auch mit reduzierten Mitteln und reduziertem Personal.
Noch vor ein paar Wochen sagten Sie auf Anfrage von "persoenlich.com", es sei für U1 TV praktisch unmöglich, als digitaler Sender weiter zu bestehen.
Würden wir nur noch digital senden, dann hätten wir in der Tat keine Chance mehr. Wir würden in diesem Fall nämlich nur noch 220'000 Haushalte erreichen. Da wir aber von vielen Kabelnetzbetreibern weiterhin analog ausgestrahlt werden, besteht diese Gefahr ja nicht.
(Interview: Florencia Figueroa)