Sie waren in der Vergangenheit stark dem medialen Scheinwerferlicht ausgesetzt. In der ComCom werden Sie vermehrt im Hintergrund arbeiten. Inwiefern ist Ihr Stellenwechsel als ein Rückzug zu verstehen?
Ein Rückzug ist es sicherlich nicht. Ich bin mir keineswegs sicher, ob ich in meiner neuen Funktion bei der ComCom weniger im Kreuzfeuer der Kritik stehen werde. Mein Vorgänger Fulvio Caccia war jedenfalls bei der UMTS-Vergabe oder der Frage der Letzten Meile genauso den Medien ausgesetzt wie ich. Wenn ich mich hätte zurückziehen wollen, wäre meine Stellenwahl wohl eine falsche Entscheidung gewesen.
Betrachten Sie Ihre Arbeit beim Bakom als abgeschlossen?
Das kann man so sagen. Ich glaube, das Leben spielt sich in Zyklen ab, mit meinem Stellenwechsel habe ich eine Periode hinter mir gelassen. Meine Aufgabe beim Bakom lag zum einen darin, den Telekommarkt zu öffnen. Andererseits war ich mit dem Aufbau des Amts betraut, überdies hatte ich den Auftrag, hochheitliche Kompetenzen, die die PTT ausgeübt hatte, ins Bakom zu überführen. Das ist erfolgt und somit habe ich meine Arbeit erledigt.
Ist aus dem einstigen Medienmann Marc Furrer mit den Jahren ein Telekom-Mann geworden?
Ihr Eindruck ist nicht falsch. Die Telekomdienste und deren technologischer Wandel faszinieren mich ungemein. Wir müssen uns allerdings bewusst sein, dass sich die Medien generell sehr rasch in Richtung Telekom bewegen. Die beiden Bereiche sind im Begriffe miteinander zu verschmelzen. So werden Sie künftig TV-Inhalte auf dem Handy oder auf dem Laptop anschauen können. Die Frage was nun TV, Internet, Medien oder Telekommunikation ist, wird immer schwieriger zu beantworten sein.
Wenn Sie zurückblicken, welches waren die wichtigsten Meilensteine in Ihrer Tätigkeit als Bakom-Chef?
Davon gab es in meiner zwölfjährigen Tätigkeit beim Bakom eine ganze Reihe. Die Öffnung des Telekom-Marktes mit dem neuen Fernmeldegesetz war wesentlich. Damit einhergehend auch die Vergabe der GSM-Konzession an Orange und Diax (heute: Sunrise). Und weiter auch die Integration von PTT-Aufgaben ins Bakom. Dann war sicherlich auch die Entwicklung des Lokalfernsehens spannend wie auch der Kampf um die TV-Zuschauer. Dieser ist im kleinen Schweizer Markt bekanntlich nicht zugunsten der Kleinen erfolgt. Daraus haben wir gewisse Lehren gezogen, die wir ins neue RTVG-Gesetz einfliessen lassen. Insgesamt prägend war die Evolution, oder gar Revolution im Telekom-Sektor. Diese Entwicklung proaktiv beeinflussen zu können, fand ich überaus befriedigend.
Ging die Liberalisierung wie erwartet von statten?
Im Telekombereich ja. Die Preise für die Konsumenten sind stark gesunken, die Qualität und das Angebot besser geworden. Ein kleiner Dämpfer allerdings sind die Mobile-Preise für Privatkunden, ebenso die Mobile-Terminierung. Im Medienbereich hätte ich mir gewünscht, dass auch Privatsender mit Vollprogramm wie Tele24 und TV3 mehr Überlebenschancen gehabt hätten. Offenbar ist es schwierig, die Zuschauer von bisherigen Gewohnheiten abzubringen. Und: der Schweizer Markt ist klein, die Konkurrenz aus dem Ausland gross. Dennoch hätte ich mir mehr Dynamik gewünscht. Hätten die lokalen Sender stärker zusammengearbeitet, wären ihre Vorhaben erfolgreicher gewesen. Gescheitert ist die Zusammenarbeit schliesslich an der Kirchturmpolitik einiger Verleger und Fernsehmacher.
Was waren die grössten Fehler, die Sie begangen haben?
Das ist eine schwierige Frage. Sicherlich habe ich, wie so viele ,UMTS, die dritte Generation digitaler Mobilfunknetze, zu optimistisch eingeschätzt - trotz aller Skepsis, die ich an den Tag gelegt habe. Ich hätte die vielen Startups und Investoren wohl eindringlicher warnen müssen. Ich bedaure heute überdies, dass der Bundesrat 1994 die Konzession an das RTL-Fenster nicht gegeben hat. Das war aus heutiger Sicht ein Fehler. Zu dieser Zeit hätte ein privater Anbieter mehr Chancen gehabt.
Gleichzeitig zum Jobwechsel sind Sie auf Ende Jahr hin von Ihrem Amt als Präsident des Schweizerischen Ruderverbands zurückgetreten. Wollen Sie Ihr Leben von Grund auf umkrempeln?
Diese Koinzidenz ist rein zufällig. Laut Statuten ist die Amtsdauer auf acht Jahre beschränkt. Dieser Zufall ermöglicht es, dass ich die Gelegenheit nutzen kann, mich nun neu zu orientieren. Und ich versichere Ihnen, ich werde auch in Zukunft nicht auf der faulen Haut liegen.(lacht)
Sie bestreiten bei der ComCom nur ein Vier-Tage Pensum: Könnten Sie als Sportbegeisterter sich neben dem Präsidium der ComCom auch ein sportpolitisches Amt vorstellen?
Ich schliesse das nicht aus. Der Sport hat mich immer begeistert. Ihm habe ich immer gedient, in allen Funktionen . Damit möchte ich nun aber nicht direkt Ambitionen für ein bestimmtes sportpolitisches Amt formulieren...