Halbjahresverlust von 18 Mio. Franken

Kudelski - Starker Franken beeinflusst Umsatz und operatives Ergebnis "signifikant" negativ.

Die Westschweizer Hightech-Gruppe Kudelski weist für das erste Halbjahr 2002 einen Verlust von 17.9 Mio. Fr. aus. In der gleichen Vorjahresperiode hatte noch ein Gewinn von 21.8 Mio. Fr. resultiert. Der Umsatz stieg dagegen von 158.6 auf 165.7 Mio. Franken. Der operative Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) betrug 14.2 Mio. Fr. nach einem EBIT-Gewinn von 19.6 Mio. Fr. in der Vorjahresperiode. Kudelski, Hersteller von Digital-TV- und Zutrittssystemen, hatte Ende August in einer Gewinnwarnung für das erste Semester einen Reinverlust von 15 bis 20 Mio. Fr. in Aussicht gestellt.

Höhere Rückstellungen

Für das Gesamtjahr geht nun der Konzern von einem Umsatz von 400 bis 450 Mio. Fr. sowie von einem Rückgang des Gewinns - ohne ausserordentliche Massnahmen - auf 5 bis 25 Mio. Fr. aus, wie Konzernchef André Kudelski am Donnerstag in Genf vor den Medien erklärte. Im letzten Jahr hatte Kudelski bei einem Umsatz von 455.4 Mio. Fr. einen Gewinn von 71.6 Mio. Fr. ausgewiesen. Die Firmengruppe müsse möglicherweise die Rückstellungen für Forderungsausfälle um 10 bis 15 Mio. Fr. erhöhen, so dass im schlimmsten Fall ein Verlust resultieren könnte. Im ersten Halbjahr 2002 habe die Schwäche von Dollar und Euro gegenüber dem Franken nicht nur den Umsatz, sondern auch das operative Ergebnis "signifikant" negativ beeinflusst, sagte Kudelski weiter.

Harziges Europa-Geschäft

Der Umsatz habe in den ersten sechs Monaten 2002 besonders im europäischen Digitalfernseh-Geschäft, in erster Linie aber in Grossbritannien und Spanien, gelitten, erklärte Kudelski weiter. In den USA hätten die Verkäufe den Erwartungen entsprochen, während in Asien viele neue Kunden gewonnen werden konnten. Das Geschäft der physischen Zutrittskontrolle habe sich im Rahmen der Erwartungen entwickelt. Das negative operative Ergebnis sei im ersten Semester aufgrund von Kostensteigerungen im Bereich Digitalfernsehen und wegen zusätzlichen Integrationskosten zustande gekommen. Die zusätzlichen Ausgaben seien in Erwartung eines sich beschleunigenden Geschäftes im zweiten Halbjahr 2002 getätigt worden.

Kudelski will nun Massnahmen zur Verbesserung der Kostenbasis ergreifen und die strategischen Prioritäten im Digital-TV-Geschäft anpassen. Zum Kostenreduzierungsprogramm gehöre insbesondere die Vereinfachung der Strukturen, aber auch die mögliche Veräusserung von Unternehmensteilen, die nicht zum strategischen Bereich gehören und wenig Wert erwirtschafteten, kündigte Kudelski an der Medienkonferenz an.

Analysten kritisieren mangelnde Transparenz

Die Analysten scheinen einen guten Teil des Vertrauens in die Kudelski-Gruppe verloren zu haben. Sie kritisieren insbesondere die mangelnde Transparenz sowie die ungenügende Kommunikation der Gruppe. "Wir erwarten mehr Transparenz und detailliertere Angaben zur Unternehmensstruktur sowie zum Geschäftsgang des Konzerns", sagte Nathalie Praz, Analysten bei der Privatbank Ferrier Lullin & Cie, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Sie bezeichnete die von Kudelski genannten Umsatzprognosen von 400 bis 450 Mio. Fr. als "sehr ehrgeizig", ebenso wie die Gewinnvoraussage von 5 bis 25 Mio. Franken. Da Kudelski betont habe, dass diese Prognose ausserordentliche Ereignisse nicht berücksichtige, werde der Konzern das Gesamtjahr mit einem Verlust abschliessen.